Wolf

Pro Wolf – oder contra? – Hauptsache fair bleiben!

Seit drei Jahren erobern sich Wölfe in der Lüneburger Heide sowohl einen neuen Lebensraum als auch die Medien und die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Nahezu kein Tag vergeht, ohne dass über neue Sichtungen berichtet wird. Über Wölfe wird beim Bäcker, auf der Arbeit und in den Familien diskutiert.

Zu den Fakten (Sichtungen, Verhaltensweisen etc.) ist inzwischen schon sehr viel geschrieben worden. Was jedoch aus Sicht der BUND-Ortsgruppe Schneverdingen zunehmend fehlt, ist der Appell zu einem fairen Umgang der „Wolfsfreunde“ und der „Wolfsgegner“ miteinander. Von beiden Seiten werden z.T. Ängste heruntergespielt oder aber massiv geschürt. Viele Leserbriefe in der hiesigen Presse lassen an „Rotkäppchen und der böse Wolf“ erinnern, während auf der anderen Seite so distanziert über Wölfe berichtet wird, als ob es in den entsprechenden Wolfsgebieten keine betroffenen Menschen mit berechtigten Ängsten und wirtschaftlichen Sorgen gäbe.

Nicht nur die Wolfsrudel wachsen zur Zeit rasant schnell, auch die Gerüchteküche brodelt. Zum Teil werden Einzelpersonen, insbesondere die Wolfsberater sowie amtliche und ehrenamtliche Vertreter des Naturschutzes, persönlich angefeindet. Somit trifft es gerade diejenigen, die sich für eine sachliche Auseinandersetzung einsetzen und die es deshalb am wenigsten verdient haben.

Deshalb an dieser Stelle doch noch ein paar Bemerkungen zu Wölfen, die über all die „Problemwolf-Debatten“ in Vergessenheit geraten sind.

Gerücht Nr. 1 der Wolfsgegner

Immer wieder hört man in der Region das Gerücht, die Wölfe seien von „unverantwortlichen Naturschützern / grünen Spinnern“ ausgewildert worden, gezielt seien Zoo-Tiere aus den Niederlanden in Deutschland ausgesetzt worden. Das ist nicht richtig.

Wölfe wandern durchaus große Strecken in kurzer Zeit, waren auch schon in den Niederlanden, aber sie sind in den letzten zehn Jahren immer tendenziell von Osten kommend nach Westen gezogen und nicht umgekehrt. Bis heute ist kein Fall bekannt, bei dem Wölfe gezielt in Deutschland ausgesetzt worden wären.

Die Ausbreitung der Wölfe verdanken wir dem größten Glücksfall der deutschen Geschichte, dem Fall des eisernen Vorhangs! Erst nach dem Fall der Mauer konnten Wölfe aus Osteuropa, insbesondere aus Polen kommend, wieder in den alten Bundesländern Fuß fassen. Nicht nur Wölfe, auch Adler oder Elbebiber haben aus dem Osten „rübergemacht“.

Selbst ein Elch schaffte es 2014 bis nach Dresden, wo er in der Schiebetür eines Gewerbebetriebes stecken blieb und es so zu großem Medienrummel brachte (dabei handelte es sich nicht einmal um die Werbung eines bekannten Möbelkaufhauses!).

Wölfe, Adler, Biber, Elche und viele mehr sind nicht von sentimentalen / unverantwortlichen Naturschützern in Deutschland ausgewildert worden, sondern haben ihren Weg nach Westen selbst gefunden. Einzig der Luchs wurde gezielt im Harz wieder angesiedelt.

Gerücht Nr. 1 der Wolfsfreunde

Von Seiten der Wolfsbefürworter kommt häufig das Argument, dass Wölfe Abstand zum Menschen halten bzw. für Menschen ungefährlich seien und kaum wirtschaftliche Schäden verursachten.

Seitdem in Bispingen ein Wolf vor einer bekannten Fast-Food-Kette erschienen ist, muss der erste Teil des Arguments ad acta gelegt werden.

Der zweite Teil, die wirtschaftlichen Schäden, sind differenzierter zu betrachten. Sicher werden auf lange Sicht einige Menschen von der Anwesenheit der Wölfe profitieren, z.B. diejenigen Waldbesitzer, die sich eine bessere Naturverjüngung ihrer Waldbestände wünschen. Grund ist, dass Wölfe in unserer Region überwiegend Rehe jagen, und so der Druck auf die Knospen von Laubgehölzen in Zukunft abnehmen wird.

Auf der anderen Seite verursachen Wölfe z.T. existentielle Probleme bei Weidetierhaltern, insbesondere bei Schäfern. Viele Wolfsfreunde kennen den technischen, finanziellen und zeitlichen Aufwand nicht, der mit einer sog. „wolfssicheren“ Einzäunung verbunden ist. Für viele Tiergruppen wie Mutterkühe und Pferde in naturnahen Weidegebieten gibt es darüber hinaus auch gar keine technischen Möglichkeiten, eine wirklich wolfssichere Einzäunung herzustellen. Dies lässt viele Tierhalter inzwischen unruhig schlafen und könnte den Strukturwandel von der Weidetierhaltung hin zur Stallhaltung weiter beschleunigen, auch zum Schaden einiger Naturschutzziele.

Was tun?

Im Umgang mit Wölfen gibt es keine einfachen Lösungen, kein schwarz oder weiß – eher grau, kein gut oder schlecht. Wölfe sind ein wichtiger Teil der Natur! Wolfsgegner sollten einmal darüber nachdenken, dass auch auf Noahs Arche vermutlich ein Paar Wölfe dabei war und nicht nur Schafe (alternativ kann man Wölfe auch als Teil der Evolution und wichtigen Bestandteil des natürlichen Räuber-Beute-Netzwerkes betrachten).

Wolfsliebhaber müssen dagegen anerkennen, dass auch in der Lüneburger Heide Menschen von und mit dem Land leben und ihr Einkommen aus der Weidetierhaltung erzielen. Hinzu kommen viele Menschen, die als Pferdehalter, Reiter und Kleintierhalter in unserer ländlichen Gegend reale Probleme haben, die Sicherheit ihrer geschätzten Vierbeiner zu gewährleisten. Die Sorgen dieser Menschen sollten nicht ignoriert werden.

Es bleibt zu hoffen, dass durch die Besenderung von Wölfen objektive Informationen über das Verhalten der „Problemwölfe“ gewonnen und ggf. Maßnahmen zur Vergrämung ergriffen werden können. Mittelfristig sollte es auch einen europaweiten Managementplan für Wölfe geben, in dem neben Wolfslebensräumen auch Tabugebiete für Wölfe diskutiert werden können.

Und zum Schluss erneut der Aufruf an alle Meinungsführer auf beiden Seiten: Fair bleiben! Den größten Schaden verursachen zur Zeit nicht die Wölfe selbst, sondern die Stimmungsmacher, die Hirn und Herz beider Seiten vergiften!