Totholz bringt Leben

Sturmschäden haben in letzter Zeit auch im Heidekreis etliche Bäume zerzaust und vielen von ihnen das Leben gekostet. Oftmals mussten aus Sicherheitsgründen selbst alte Eichen der Säge zum Opfer fallen und mancher Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse ging verloren.

Diese Ereignisse bieten aber auch die Chance auf neues Leben, wenn nicht jeder Ast und Baumstumpf entfernt wird sondern totes Holz liegen oder stehen bleibt. Wie wichtig Totholz für die Arten ist, wird deutlich am Beispiel des Lebenslaufes der selten gewordenen Hirschkäfer.

Totholz (Foto: UZ)

Totholz (Foto: UZ)

„Hirschkäferweibchen legen ihre Eier an die Wurzeln von toten oder absterbenden Bäumen oder unterhalb im Boden liegenden Stammstücke. Sie graben sich dazu in der Nähe der Brutbäume in den Boden ein und legen die Eier ans Wurzelholz oder an morsche Baumstümpfe. Hirschkäfer benötigen sonnige Standorte möglichst am Südrand eines Eichenbestandes.
Die Larven der Hirschkäfer können sich nur in stark von Pilzen zersetztem Holz entwickeln, sie befallen kein frisches Holz. Die bis 10 cm langen Käferlarven „schroten“ das verpilzte, morsche Holz zu Mulm. Hirschkäfer werden deshalb in verschiedenen Gegenden auch Schröter genannt. Das Schroten des Holzes ist Humus bildend, es entwickelt sich nährstoffreicher Waldboden. Weil die Cellulose des Holzes sehr nährstoffarm ist, dauert die Entwicklung fünf bis acht Jahre, bevor die fertigen Käfer an lauen Abenden im Mai/Juni  mit lautem Gebrumm ausfliegen.

Dann suchen sie in lichten, alten Eichenwäldern oder Eichenhainen verletzte Bäume mit Saftfluss an der Rinde. Diesen Baumsaft lecken sie. Er ist ihre einzige Nahrung. Dort findet auch die Partnersuche und die Paarung statt. Die Männchen benutzen ihre geweihartig vergrößerten Oberkiefer zum einen, um männliche Konkurrenz im Kampf zu packen und vom Baum zu stoßen und zum anderen bei der Paarung, um die Weibchen festzuhalten,“ berichten Boekhoff, Dallmeyer, Gerner und Sailer von der BUND Kreisgruppe Nienburg.

Wer also die biologische Vielfalt erhalten möchte, sollte im Garten unbedingt Ast- oder Stammstücke liegen und z.B. beim Fällen den Stamm in einer Höhe von ein bis zwei Metern stehen lassen. Denn Totholz ist Leben, meint Ulli Zielaßek von der BUND OG Schneverdingen. Weitere Informationen unter www.bund-schneverdingen.de