September: Danke, ich habe schon

Bewusster konsumieren

„Jedes Jahr ein neues Smartphone!“ Mit diesen und ähnlichen inhaltslosen Werbesprüchen werden beim Verbraucher Begehrlichkeiten geweckt, wird suggeriert, dass es zeitgemäß ist jeden Trend auch im Bereich der digitalen Elektronik mitzumachen. Millionen Rechner und Handys werden jedes Jahr zu Elektroschrott, weil leistungsstärkere Geräte auf dem Markt erschienen sind oder defekte Geräte gar nicht erst repariert werden (können). Kameras werden ausgetauscht, weil ihre Farbe nicht mehr der aktuellen Mode entspricht oder das neue Gerät einfach mehr kann. Nur wenige Käufer machen sich Gedanken wie sehr Produktion und Entsorgung dieser Geräte Natur und Umwelt und nicht zuletzt auch den Menschen belasten. Mit jedem Kauf entscheiden wir, wie Natur und Umwelt am Herkunftsort des Produkts aussieht, und wie das Leben der Menschen dort verläuft.

Telefonieren in Deutschland – Krieg und Umweltzerstörung in Afrika

Ein Beispiel: Für die Herstellung u. a. von Handys und Laptops wird das Mineral Coltan benötigt. Eine der weltweit wenigen Lagerstätten befindet sich in der Demokratischen Republik Kongo, wo gewaltsame Auseinandersetzungen um Zugang zu, Kontrolle von und Handel mit mineralischen Ressourcen – darunter Coltan – Menschen töten, Kinderarbeit forcieren und Natur und Umwelt zerstören. Hiervon betroffen ist auch der Nationalpark, in dem unter anderen die letzten Gorillas der Welt leben. Der Käufer hat die Wahl, inwieweit er diese Missstände durch den Kauf weiterer Handys unterstützt bzw. billigend in Kauf nimmt oder nach Alternativen sucht. Eine wäre der Verzicht auf ein neues Gerät, eine zweite die Suche nach einem Gerät, das im Vergleich mit den anderen ökologisch und sozial verträglicher ist. Dieses ist z. B. mit dem „Fairphone“ bereits auf dem Markt.

Die zehnte Handtasche, das hundertste T-Shirt…

Im Bekleidungssektor geht der Trend weiter. Noch nie war Kleidung so günstig zu bekommen wie heute. Und wenn das T-Shirt als „Sale“-Angebot nur noch 5 € oder weniger kostet freut sich der Kunde und greift gleich doppelt oder dreifach zu. Was man dem T-Shirt nicht ansieht: Der Anbau von Baumwolle belastet die Umwelt und Menschen immens. Für die Produktion eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden rund 2.000 l Wasser verbraucht und 150 g Pestizide auf dem Feld ausgebracht – mehr als bei jedem anderen landwirtschaftlichen Produkt. Flüsse, Seen und Grundwasser in den Baumwollanbaugebieten sind oft kontaminiert, der Grundwasserspiegel gesunken und die Böden versalzen. Der Aralsee, eins viertgrößter See der Welt, ist heute zu 70 Prozent ausgetrocknet – hauptsächlich wegen der Wasserentnahme für den Baumwollanbau. Für das Ökosystem und für die in der Region lebenden Menschen ist dies eine Katastrophe. Etwa dreiviertel der konventionell erzeugten Baumwolle stammt zudem von genmanipulierten Pflanzen.

Die Alternative zu zehn T-Shirts aus ökologisch und sozial bedenklicher Produktion sind zwei T-Shirts, deren Herstellung Mensch und Umwelt weit weniger belasten und die nicht zu Schleuderpreisen auf den Markt kommen können. Der Verzicht von gesundheitsschädlichen Schwermetallen, AZO-Farben, Veredlungszusätzen etc. in so genannten Öko-Textilien kommt letztendlich auch unser eigenen Gesundheit zugute. Kurze Transportwege – Deutschland oder europäisches Ausland statt Fernost als Produktionsstätte – sind zudem klimafreundlich.
Achten Sie auf die Deklaration! „Bio“, „Öko“ oder „Natur“ sind keine geschützten Begriffe und können willkürlich verwendet werden. Über Umweltstandards in der Textil- und Schuhbranche informiert eine Broschüre des Umweltbundesamtes.

Blick in den Kleiderschrank (Foto: BK)

Blick in den Kleiderschrank (Foto: BK)

Ein Kleiderschrank muss nicht überquellen. Einige wenige Teile, die man wirklich gerne trägt reichen vollkommen aus und lassen sich vielfach variieren. Schön, wenn sie aus nachhaltiger Produktion stammen.

Alternativen zur Neubeschaffung

Denen, die das Geld für den Kauf von Öko-Textilien nicht aufbringen können oder wollen, eröffnen sich heutzutage viele Quellen für gebrauchte Kleidung. Dies ist zwar größtenteils konventionelle Ware, die aber wenigstens mehrfach genutzt wird und damit nachhaltiger wird. Und auch hier lässt sich gezielt nach umwelt- und menschenfreundlich produzierten Erzeugnissen suchen. Neben der Kleidung lassen sich viele Bedarfsgüter gebraucht beschaffen.

Flohmärkte

– z. B. kleiner lokaler Flohmarkt für Frauenbekleidung am 26.9.2014 von 19 bis 21 Uhr in Dorfmark in den Räumen der Firma Lipinski, Hauptstraße
– weitere „Frauenflohmärkte“ finden in den benachbarten Großstädten statt. Die aktuellen Termine entnehmen Sie bitte dem Internet.
– großer Flohmarkt in Tostedt jeweils am ersten Samstag im Oktober von morgens bis nachmittags
– Die Termine der zahlreichen Flohmärkte für Kinderbekleidung und Spielzeug erfährt man am besten über die Tagespresse oder Aushänge z. B. im Supermarkt.

Auf der Seite www.meine-flohmarkt-termine.de kann nach Orten/ PLZ gesucht werden.

Kleidertauschbörsen/ Tauschpartys
online oder selbst organisiert

Kleidung leihen
Läden in größeren Städten (z. B. „Kleiderei“ in Hamburg) oder online

Kleinanzeigen in Lokalblättern, als Aushang oder online

Haushaltsauflösungen

Gebrauchtwarenkaufhäuser
z. B. Minerva in Soltau (Link hier)

Und sogar an der Straße stehen Werte herum: Was für viele Menschen nur noch Sperrmüll ist, kann für andere durchaus noch von Nutzen sein. Trauen Sie sich und schauen sie mal genauer hin! Vieles von dem was hier steht ist in einem guten Zustand und zum Wegwerfen viel zu schade – sogar die eine oder andere Antiquität landet im Sperrmüll. Wer die Sachen nicht in einer Nacht- und Nebelaktion mitnehmen möchte kann die Noch-Besitzer ja auch einfach fragen.

Verschenken statt verstauben

Was spricht gegen das Verschenken von Gegenständen, die man nicht mehr benötigt? Jeder kann sein Hab und Gut mit Menschen in seiner Nachbarschaft oder seinem Ort teilen oder an sie verschenken. Ausgelesene Bücher kann man z. B. in Büchereitelefonzellen stellen, den Bibliotheken anbieten oder ein empfehlenswertes Buch auch mal im Zug „aussetzen“. Auch über Kleinanzeigen lassen sich Dinge tauschen oder verschenken. Dies schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Der ökologische Fußabdruck

Jeder weiß, dass Kauf nicht nur der Befriedigung tatsächlicher Bedürfnisse dient. Dass das eigene Konsumverhalten den weltweiten Verbrauch von Energie und Rohstoffen beeinflusst, wird gerne verdrängt. Dabei kann man es sich im Laufe der Zeit zur Gewohnheit machen, z. B. jede Neuanschaffung zu überdenken und nach Alternativen zu suchen.
Verschiedene Internetseiten bieten die Möglichkeit seinen persönlichen „ökologischen Fußabdruck“ zu ermitteln. Er beschreibt den Anteil der Erdoberfläche, den wir benötigen, um unseren Bedarf an Rohstoffen, Energie und Nahrung zu decken. Das Ergebnis öffnet manchem die Augen und verdeutlicht, dass wir mit der Befriedigung unserer Bedürfnisse so wie bisher nicht weitermachen können.

Fußabdruck (Foto: BK)

Fußabdruck (Foto: BK)

Kennen Sie die Größe Ihres ökologischen Fußabdrucks? Wenn nicht, lesen Sie weiter auf den Seiten:
www.fussabdruck.de oder
www.footprint-deutschland.de

Mögliche Bezugsquellen

Möbel
Löwe Naturmöbel GmbH, 29559 Wrestedt

Kleidung über Katalog oder Internet:
Maas Natur
Hess-Natur
Engel Naturtextilien

Haushaltsbedarf, Kleidung
Vivanda (Katalog oder Internet)

Schreibwaren/ Bürobedarf/ Haushaltsbedarf
memo (Katalog oder Internet)

Bio Lebensmittel bei deinBiogarten.de

Literaturtipps

Michael Braungart, William McDonough
„Craddle to cradle” Einfach intelligent produzieren
Piper Taschenbuch 2014
ISBN 978-3492304672
ca. 10 €

Andreas Schlumberger
„50 einfache Dinge die Sie tun können, um die Welt zu retten und wie Sie dabei Geld sparen“
Westend 2013
ISBN 978-3864890413
ca. 13 €

Dieter Lohmann, Nadja Podbregar
„Im Fokus: Bodenschätze: Die Jagd nach Seltenen Erden und anderen Rohstoffen“
Springer 2012
ISBN 978-3642226106
ca. 20 €

Linda Deslauriers
„Die Kleiderdiät“ Nie mehr volle Schränke, Kleiderchaos und Fehleinkäufe
Nymphenburger 2009
ISBN 978-3485011907
ca. 18 €

www.umweltbundesamt.de

www.germanwatch.org