Oktober: Gartenabfälle in der Landschaft

Natur zu Natur? Entsorgung von Gartenabfällen in der Landschaft

Viele tun es in der Meinung, es sei völlig in Ordnung, die Wenigsten wissen um die Problematik. Was ist daran auszusetzen, wenn Rasenschnitt oder Schnittgut aus dem Garten am Waldrand verrottet oder Gartenblumen plötzlich auch am Bachufer wachsen? Die Meinung, man füge der Natur keinen Schaden zu, ist falsch. Aber was genau passiert an diesen Stellen? Verschiedene Aspekte spielen hier eine Rolle. Zwei Beispiele:

– Gartenabfälle enthalten oft Samen, Wurzeln, Zwiebeln oder Knollen von nichtheimischen konkurrenzstarken Arten, die sich ausbreiten und unsere heimischen Pflanzen verdrängen. So findet man dann schon mal Kirschlorbeer-Horste im Wald, Orangerotes Habichtskraut breitet sich bodendeckend am Wegrand aus und Mahonien wandern in Hecken ein. Als so genannte „Gartenflüchtlinge“ werden die Arten bezeichnet, die ursprünglich nur in Gärten und Parks kultiviert wurden und denen es aufgrund ihrer Ausbreitungsstrategien gelungen ist, sich in der freien Natur anzusiedeln. Beispiel: Der Samen-Schleudermechanismus des rosablühenden Drüsigen Springkrauts, ursprünglich heimisch in der Himalaya-Region, befähigt diese Pflanze, sich zunehmend entlang von Wasserläufen auszubreiten. Die heimische Ufervegetation hat da das Nachsehen. Zusammen mit den heimischen Pflanzenarten werden viele Tierarten verdrängt, die sich auf diese Pflanzen spezialisiert hatten – zwar oft klein und auf den ersten Blick unscheinbar und doch wichtige Elemente des Naturhaushalts. Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man die üppig rosa blühenden Bachufer ganz anders beurteilen.

– Bei der Zersetzung der Gartenabfälle entstehen Nährstoffe, die durch Eintrag in den Boden dessen Nährstoffhaushalt verändern. Beim Abbau von Grasschnitt beispielsweise werden große Mengen an Stickstoff frei gesetzt, was zur flächendeckenden Ausbreitung stickstoffliebender Pflanzen führt. An Stellen, die vorher eher durch Stickstoffarmut geprägt waren hat dies fatale Folgen: Wildlebende Pflanzenarten, die sich aufgrund ihrer Fähigkeit auch an stickstoffarmen Standorten wachsen zu können hier angesiedelt haben, werden ab jetzt von starkwüchsigen, konkurrenzstärkeren Arten, wie beispielsweise der Brennnessel verdrängt. Aufgrund des ohnehin schon vorhandenen hohen Nährstoffeintrags aus der Luft sind nährstoffarme Standorte generell eher selten. Demjenigen, der sich in Schneverdingen einen Eindruck von der Artenvielfalt und Schönheit eines nährstoffarmen Standorts machen möchte, wird empfohlen, Anfang Juli einen Spaziergang oder eine Radtour entlang der Magerrasenflächen im Camp Reinsehlen zu machen. Dann blühen hier Arten, die auf nährstoffreichen Standorten aus Konkurrenzgründen keine Überlebenschance hätten und in unserer Kulturlandschaft dementsprechend selten geworden sind. Um den direkten Vergleich zu haben empfiehlt sich anschließend ein Blick auf die Artenarmut stickstoffüberdüngter Flächen, vornehmlich Stellen, an denen regelmäßig Gartenabfälle entsorgt werden. Hier wachsen in der Regel nur noch Allerweltsarten. Die Stickstoffverbindung Nitrat gelangt von diesen Abfallhaufen im Übrigen bis ins Grundwasser und schadet damit der Wasserqualität und unserer Gesundheit.

 

Unter derartig voluminösen Haufen ist kein Leben mehr möglich. (Foto: BK)

Unter derartig voluminösen Haufen ist kein Leben mehr möglich. (Foto: BK)

Weitere Aspekte

  • Gartenabfälle in der Natur verschandeln das Landschaftsbild und mindern die Erholungsfunktion – wer beim Spaziergang über Nachbars Lebensbaumschnitt stolpert ärgert sich eher als das er sich erholt. Die Devise „Vorne hui, hinten pfui“ scheint das Leitmotiv zu sein, wenn Gartenabfälle im Siedlungsbereich einfach über den Zaun entsorgt werden. Der dahinterliegende vermüllte Grünzug ärgert Anlieger und Erholungssuchende.
  • Zusammen mit den organischen Abfällen gelangen häufig weitere, nicht verrottbare Gartenabfälle in die Natur, wie beispielsweise Blumentöpfe oder Schnüre aus Kunststoff.
  • Das Fatale: Die Abfallhaufen ziehen Nachahmer magisch an und so entstehen mit der Zeit stellenweise regelrechte Mülldeponien.
  • Was sich die Wenigsten bewusst machen: Die Ausgaben für die Entsorgung der wild entsorgten Abfälle durch den Landkreis oder die Kommunen gehen jährlich in die Tausende – Kosten die letztendlich auf den Steuerzahler umgelegt werden.

In Deutschland muss Abfall per Gesetz einer geordneten Entsorgung zugeführt werden. Auch alle organischen Überreste, die im Garten anfallen, wie Rasen- oder Gehölzschnitt, Staudenreste oder Blumenzwiebeln sind rein rechtlich Abfall. Entsorgt man diese „Bio“-Abfälle außerhalb seines Grundstücks in der Landschaft oder in innerörtlichen Grünanlagen, macht man sich wegen illegaler Müllentsorgung strafbar.

Hier hat man es schwarz auf weiß. Doch nicht nur auf Privatgrundstücken sondern generell ist die Entsorgung von Gartenabfällen außerhalb des eigenen Grundstücks nicht zulässig. (Foto: BK)

Hier hat man es schwarz auf weiß. Doch nicht nur auf Privatgrundstücken sondern generell ist die Entsorgung von Gartenabfällen außerhalb des eigenen Grundstücks nicht zulässig. (Foto: BK)

 

Wie entsorge ich richtig?

Organische Abfälle müssen bei uns auf folgende Art und Weise entsorgt werden:

1. über die Biotonne,

2. über die Anlieferung bei Grüngut-Annahmestellen,

3. über die Verwertung auf dem eigenen Grundstück:

– Kompostierung,

– Liegenlassen,

– Untergraben/ Unterpflügen

Die genauen Konditionen für die Anlieferung bei den Grüngut-Annahmestellen sowie deren Öffnungszeiten finden sich der „Abfall-Info“ der Abfallwirtschaft Heidekreis, die als Hauswurfsendung verteilt wird. Nähere Informationen erhält man zudem unter der Internetseite der Abfallwirtschaft www.ahk-soltau.de.

Reizthema Laub

Kommunen erlassen in der Regel Verordnungen, nach denen Anlieger Geh- und Radwege bzw. Fahrbahnen und Parkstreifen bis zur Straßenmitte unter anderem von Laub befreien müssen. Nasses Laub auf Wegen erhöht die Rutschgefahr, die Beseitigung der Blätter ist daher an diesen Stellen eine Maßnahme der Gefahrenabwehr. Zusammengekehrtes Laub muss wie sonstiger Bioabfall entsorgt werden.

Laub ist allerdings ein natürlicher Bestandteil unserer belebten Umwelt. Unter Gehölzen sollte das Laub nach Möglichkeit verbleiben, damit über seine Verrottung Pflanzen-verfügbare Nährstoffe entstehen können. Je nach Gehölzart und Witterung dauert der Verrottungsprozess unterschiedlich lang. Die Zersetzung von Eichen-, Buchen-, Kastanien- und Walnusslaub dauert aufgrund des hohen Gerbsäuregehalts mehrere Jahre. Doch gerade diese Säuren machen das Laub für säuretolerante oder säureliebende Gartenpflanzen wie Rhododendren, Azaleen oder Moorbeetpflanzen wertvoll. Zusätzlich bietet das Laub einen guten Winterschutz für die Pflanzen. Vor Aufbringung auf die Rabatten empfiehlt sich das Zerkleinern der Blätter mit einem Rasenmäher oder Häcksler, und eine einjährige Kompostierung unter Hinzugabe von Erde, leicht verrottbaren Gartenabfällen und etwas Horn- oder Gesteinsmehl. Soll dieser Kompost auch im übrigen Garten Verwendung finden, ist die zusätzliche Zugabe von Kalk ratsam. Besonders gut geeignet für die Kompostierung ist das Laub von Obstbäumen, Ahorn, Esche, Eberesche, Hainbuche und Linde. Wird das Laub unter Gehölzen hingegen regelmäßig entfernt, kommt es zu Nährstoffverlusten, die durch die Gabe von Düngern ausgeglichen werden müssen.

Keine Laubverrottung ohne Kleinsttiere. Neben Bakterien und Pilzen spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung der Blätter in fruchtbaren Humus. In einem Laubsauger werden auf einen Schlag tausende von nützlichen Asseln, Tausendfüßern und Ohrwürmern vernichtet. Auch den Einsatz eines Laubbläsers überstehen die Tiere nicht unbeschadet. Nebst Regenwürmern sind sie jedoch unverzichtbar für einen gesunden, fruchtbaren Boden und zudem wichtige Nahrung für beispielsweise Igel und viele Gartenvögel. Aus Gründen des Naturschutzes und der Bodenfruchtbarkeit sollte daher auf den Einsatz der lautstarken Geräte verzichtet und stattdessen zur Laubharke gegriffen werden. Ein Kompostieren des Laubs im Garten ist nicht möglich? In einer ungenutzten Ecke zu einem Haufen zusammengeharkt bieten die Blätter zahlreichen kleinen und größeren Tieren einen Unterschlupf für den Winter.

Literaturtipps

Wolfgang Nentwig

Invasive Arten“ UTB Profile Taschenbuch

Verlag UTB 2010

ISBN 978-3825233839

ca. 10 €

Mario Ludwig

Invasion: Wie fremde Tiere und Pflanzen unsere Welt erobern

Verlag Eugen Ulmer 2010

ISBN 978-3800169474

Ca. 15 €