November: Nachhaltige Geschenkideen 1

Der BUND-Geschenkideenkalender, Teil 1

Tipp des Monats – von Barbara Kreie, unter Mitwirkung von Ulli Zielassek und Heike Brenken.

 

Ist es nicht jedes Jahr das gleiche Phänomen? Weihnachten steht plötzlich wieder vor der Tür, und damit die Suche nach Geschenken für unsere Liebsten. Bekanntermaßen artet dies nicht selten in Stress und Notkäufen aus. Wer denkt in all der Eile noch an Natur-, Umwelt- und Tierschutz oder faire Produktionsbedingungen? Die Nachhaltigkeit bleibt auch in der Vorweihnachtszeit oft auf der Strecke. Das muss nicht sein! Der Geschenkideen-Kalender der BUND-Ortsgruppe Schneverdingen gibt Geschenktipps und macht Vorschläge zur nachhaltigen Gestaltung der Vorweihnachts- und Weihnachtszeit und darüber hinaus. Zwölf Ideen hält dieser Tipp bereit, weitere zwölf folgen im Dezember. Lassen Sie sich überraschen! Im Anhang an die Tipps finden sie Bezugsquellen und Internetlinks in Auswahl zu den einzelnen Themen.

 


1          Einladung zu einem guten Essen

 

Der Deutsche isst in seinem Leben durchschnittlich 700 Tiere – nicht ohne Folgen für die Umwelt und für unsere Gesundheit. Insbesondere die Massentierhaltung, aus der das meiste von uns konsumierte Fleisch stammt, ist mit einer starken Umweltbelastung verbunden. Um Anbauflächen für eiweißreiche Futterpflanzen auch für unsere Schlachttiere zu gewinnen wird in Südamerika tropischer Regenwald abgeholzt und damit große Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen freigesetzt. Böden und Gewässer werden durch die Fleischproduktion mit Pestiziden und Nährstoffen belastet. Der Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung hat zur Bildung resistenter Bakterienstämme geführt. Zivilisationskrankheiten beim Verbraucher wie Gicht und Fettstoffwechselstörungen nehmen zu. Gute Gründe einmal völlig fleischfreie Tage einzulegen! So genannte „Flexitarier“, also Teilzeitvegetarier, liegen übrigens voll im Trend. Buchhandel und Büchereien halten mittlerweile ein großes Angebot an vegetarischen und veganen Kochbüchern bereit, im digitalen Zeitalter reicht aber auch ein Blick ins Internet. Verschenken Sie doch einmal einen Gutschein für ein selbstgekochtes vegetarisches Menü oder für einen vegetarischen Restaurantbesuch! Neben rein vegetarischen Restaurants bieten viele gastronomische Betriebe auch vegetarische Küche an.

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2          Baum einer alten, regionalen Apfelsorte – ein Geschenk mit Mehrwert

 

Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen. (Martin Luther)

 

Eine gute Idee! Denn ein Apfelbaum macht jahrzehntelang Freude und spendet reiche Ernte. Im Frühjahr erfreut er uns und die Bienen mit seinen Blüten. Im Sommer spendet er Schatten und in manchem Herbst reiche Ernte. Apfelbäume gibt es in allen möglichen Formen und Größen für nahezu jeden Hausgarten. Von Spalierbäumen über kleine Spindeln, die sogar noch auf dem Balkon Platz finden, bis zu den gewaltigen Hochstämmen. Jede Region hat ihre typischen Sorten hervorgebracht, die optimal an Boden- und Klimaverhältnisse angepasst sind. Aus unserer näheren Umgebung stammen z.B. der Celler Dickstiel, der Uelzener Rambour oder der Altländer Pfannkuchenapfel.

 

Apfel


 

3          natürlich schön – tierversuchsfreie Kosmetik

 

Für die Kosmetikindustrie leiden und sterben in den Ländern der EU jährlich offiziell 6.000 Wirbeltiere, hauptsächlich Mäuse, Ratten und Kaninchen in tierquälerischen, schmerzhaften Versuchen. Die tatsächliche Zahl liegt im Dunkeln. Aufgrund der vielfältigen Unterschiede zwischen Tier und Mensch besitzen die Ergebnisse der Versuche jedoch keine oder nur eine geringe Aussagekraft. Die Einfuhr und der Verkauf von neuen an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -inhaltsstoffen sind seit 2013 EU-weit verboten. Es ist an der Industrie, auf vorhandene Inhaltsstoffe und neue, tierversuchsfreie Testmethoden umzusteigen. Allerdings können nach wie vor Tierversuche durchgeführt werden für Produkte, die in Nicht-EU-Staaten wie beispielsweise China eingeführt werden oder für Rohstoffe, die als Chemikalien deklariert sind. Die Kontrollinstanzen versagen häufig. Es ist deswegen die Aufgabe des Verbrauchers sich zu informieren um tierversuchsfreie von Tierqualkosmetik unterscheiden zu können. Achten Sie beim Kauf von Kosmetikprodukten auf folgende Logos, lassen Sie sich im Bioladen oder im Reformhaus beraten oder informieren Sie sich auf der Internetseite der Tierschutzorganisation PETA über tierversuchsfreie Marken.


 

4          Weihnachtsbraten aus artgerechter Haltung – Genießen ohne schlechtes Gewissen

 

Für viele Verbraucher stellt sich immer häufiger die Frage, ob ein klassischer Weihnachtsbraten heute noch vertretbar ist. Angst vor Keimen oder Antibiotikarückständen in Billig-Geflügel lässt vielen den Appetit vergehen. Schweine mit abgeschnittenen Schwänzen, Mastrinder in kleinen Boxen mit Spaltenböden, keine schönen Gedanken am Heilig Abend. Doch besser Tofu?

Dabei gibt es gute Alternativen zu Billigfleisch aus der Massentierhaltung:

Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung, Heidschnuckenbraten direkt aus dem Naturschutzgebiet, Karpfen aus den Holmer Teichen, Freilandmasthähnchen aus Soltau, frisches Wildbret. Für alle Geschmäcker gibt es auch in unserer Region tierische Genüsse aus artgerechter Haltung.

Fragen Sie bei Ihrem Metzger, auf dem Wochenmarkt und im Supermarkt gezielt nach regionalen Fleischwaren aus artgerechter Haltung! Hilfe bei der Suche nach Direktvermarktern finden Sie auch am Ende dieses Tipps unter „Bezugsquellen“.

Holzgans


 

5          Geschenke umweltfreundlich verpacken

 

Lieben Sie Hochglanz-Geschenkpapier und in Folien verpackte Geschenke? Diese Vorliebe teilen Sie mit vielen Mitbürgern. Die Kehrseite: nach dem Auspacken verbleibt ein großer Berg Müll; alleine an Weihnachten kommen mehr als 50.000 Tonnen Papiermüll zusammen. Insbesondere Mischmaterialien wie metallbeschichtetes Papier bereiten Probleme bei der Abfallentsorgung und lassen sich kaum recyceln. Wertvolle Rohstoffe werden für einen Moment des Glanzes verbraucht. Es geht auch anders!

Ausrangierte Landkarten, Kalenderblätter, Notenblätter oder Schnittmuster sind umweltfreundliches, preisgünstiges und kreatives Verpackungsmaterial. Aber auch in Stoffen lassen sich Geschenke gut verpacken – Stoffreste oder nicht mehr verwendete Schals und Tücher finden sich in vielen Haushalten. Je nach Lust, Können und Anlass lassen sich die originellen Präsent-Verpackungen weihnachtlich mit Zapfen oder Zweigen, anderen Naturmaterialien, alten Knöpfen, etc., etc. verzieren. Die Beschenkten werden begeistert sein – und die Umwelt wird gleich mitbeschenkt.

 

Kartengeschenkpapier


 

6          Benutzerausweis für eine öffentliche Bücherei

 

harte Fakten      –       fantastische Welten       –       jede Menge Anregungen

 

Für ein ganzes Jahr nur 13 Euro, als Familie 18,50 Euro in der Schneverdinger Stadtbücherei. Kein Müll, kein Fehlkauf, kein Bedarf nach neuen Regalen, da kann Mensch nicht viel falsch machen. Wer gerade keine Lust zum Lesen hat findet vielleicht interessante Musik und wer den PC im Hause scheut, kann hier auch surfen und vieles mehr, ohne sich um Virenschutz und Co. zu kümmern.

Bücher


 

7          Snapy

 

Spinnen, Wespen, Käfer, Heuschrecken oder Ohrwürmer sind keine gern gesehenen Gäste im Haus. Doch die Sechs- oder Achtbeiner wollen in aller Regel nichts von uns, unseren Nahrungsmitteln oder unserem Hausrat. Sie haben sich schlichtweg verlaufen bzw. verflogen – häufig angelockt von künstlichem Licht. Kein Grund die Tiere zu erschlagen oder aufzusaugen! Allemal tier- und menschenwürdiger ist es, sie wieder ins Freie zu befördern. Die altbewährte Methode Glas überstülpen – Papier unter das Tier schieben – raus setzen scheitert manchmal schlicht daran keinen passenden Zettel griffbereit zu haben. Abhilfe kann ein „Snapy“ schaffen (vom Englischen „to snap“ = schnappen).

Das kleine Fanggerät ist seinen Preis in Höhe von rund 10 € wirklich wert. Sie erhalten einen Snapy z. B. in gut sortierten Spielwarenläden, bei Outdoor-Ausrüstern oder im Internetversandhandel. Manche Modelle verfügen über eine eingebaute Lupe, dank derer man das Tier in aller Ruhe betrachten kann. Nicht nur bei Kindern macht sich dann Begeisterung breit. Kleiner Tipp: Geben Sie dem Snapy einen festen Platz, beispielweise in einer bestimmten Fensterbank. So ist er jederzeit griffbereit.

 

Snapy (Foto: BK)

Snapy (Foto: BK)


 

8          Teilnahme an einer NNA-Veranstaltung

 

Der ehemalige Heidebauernhof Möhr zwischen Schneverdingen und Heber ist Sitz der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz, vielen noch bekannt unter dem Namen Norddeutsche Naturschutzakademie (NNA). Eine der Aufgaben der NNA ist die Öffentlichkeitsarbeit. Unter der Vielzahl der angebotenen Seminare finden sich auch Veranstaltungen, die für Nicht-Fachleute interessant oder nützlich sind. Wie wäre es zum Beispiel mit einer „Einführung in die Mykologie“, also die Pilzkunde? Im Rahmen der Exkursionsreihe „Natur leicht gemacht“ gibt´s an einzelnen Wochenenden zwischen März und November leichtverpacktes Naturwissen für Jedermann. Die jeweils zweistündigen Exkursionen kosten 4 €; das Seminarangebot einschließlich der Preise

können Sie im Internet nachlesen. Die meisten Seminare finden statt im Seminar- und Tagungszentrum Camp Reinsehlen. Die Teilnahme an einer der Veranstaltungen lässt sich zum Beispiel in Form eines Gutscheins oder in Kombination mit einem Wochenend-Ausflug verschenken.

NNA-Plan


 

9          Futtersilo für die Gartenvögel

Spätestens wenn der erste Schnee fällt erwacht in uns der Wunsch unsere gefiederten Gartenbesucher zu füttern. Doch falsch verstandene Tierliebe hat schon so manchen Vogel das Leben gekostet. Was sollte bei der Winterfütterung unbedingt beachtet werden? Ganz wichtig: Futterhäuser gründlich sauber halten (heißes Wasser + mildes Reinigungsmittel)! Am Kot kranker Tiere können sich hunderte weiterer Vögel infizieren. Vor allem eine Fütterung in der warmen Jahreszeit trägt zur Ausbreitung von Krankheiten bei. Daher bitte keine Fütterung im Frühling und Sommer. Sollten Sie kranke oder tote Vögel an der Futterstelle bemerken, stellen Sie die Fütterung vorsichtshalber ein. Besser als Futterhäuser sind Futtersilos, die nur so viel Futter abgeben wie der Vogel frisst. Bei Ihnen können die Vögel nicht im Futter herumlaufen und es nicht verkoten. Manche Ausführungen der Silos müssen wettergeschützt aufgehängt werden; katzensicher sollten alle Futterstellen sein. Eine weitaus größere Hilfe als die winterliche Fütterung am Futterhaus ist übrigens der Erhalt einer artenreichen, reich strukturierten Landschaft und die naturnahe Gestaltung der Gärten und Siedlungsräume.

Futtersilos (Foto: BK)

Futtersilos (Foto: BK)


 

10       Bio-Nikolaus statt Billig-Weihnachtsmann

 

Seit 1931 wird der Weihnachtsmann erfolgreich von Coca-Cola für Werbekampagnen gebraucht. Aus der Legende vom Heiligen Nikolaus wurde ein inhaltsloser, kalorienreicher Snack aus Rohstoffen, die oft genug unter zweifelhaften, umweltschädigen Bedingungen angebaut werden. 33% der Welternte an Kakao, einem wichtigen Rohstoff für die Billig-Weihnachtsmänner, stammt aus der Elfenbeinküste. Dort stand der Kakaoanbau in dem traurigen Ruf, den Bürgerkrieg zu finanzieren. Außerdem wird Kakaoanbau häufig mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht.

Dabei gibt es bereits seit langem Alternativen. Kakao und Schokolade aus nachhaltigem und fairem Anbau gibt es in Dritte-Welt-Läden, Bioläden und auch in vielen gut sortierten Läden des Einzelhandels.

Auch einen echten Bio-Nikolaus gibt es inzwischen, samt Legende auf der Verpackung und ohne Coca-Cola im Sack!


 

11       Familienausflug mit der Bahn, z. B. mit dem Niedersachsenticket

 

Die meisten Kinder lieben Bahnfahren! Gemeinsam mit den Großen aus dem Fenster schauen, sich dabei bewegen dürfen und im großen Bahnhof das Gewimmel studieren ist ein Erlebnis. Als umweltfreundliche Alternative zum Auto ist Bahnfahren allgemein bekannt. Die Ersparnis an Schadstoffen, Lärm und versiegelten Flächen ist groß doch viele Familien halten es für zu teuer. Mit einem Niedersachsenticket aber wird es sehr günstig von Schneverdingen in den Harz oder nach Cuxhaven zu fahren oder nach Hamburg inkl. HVV-Schiffstour auf der Elbe. Bei 1-2 zahlenden Fahrgästen mit einem Niedersachsenticket dürfen beliebig viele eigene Kinder oder Enkel bis inkl. 14 Jahre mitgenommen werden. Mal ausprobieren!

Bahn


 

12       Biosekt und Biowein – Naturschutz mit Genuss

 

Weinanbau hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits die Römer brachten Rebstöcke aus dem Mittelmeerraum mit nach Germanien. Seit 2000 Jahren haben sich die Rebgärten zu einer historischen Kulturlandschaft entwickelt, die nicht nur für Weintrinker viele Genüsse bietet, sondern auch Lebensraum für zahlreiche wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten bietet.

Die alten, nicht flurbereinigten kleinen Weinberge und insbesondere die Steillagen-Weinberge an Mosel und Rhein, können nur sinnvoll erhalten werden, wenn Winzer einen gesicherten Absatz für ihre in mühseliger Arbeit gewonnenen Trauben finden.

Der biologische Weinbau trägt darüber hinaus ganz besonders dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit der Weinberge zu erhalten. Hecken und Wegraine sind für Bio-Winzer besonders wichtig, um Nützlinge für die biologische Schädlingsbekämpfung anzuziehen. Wohl bekomm’s!

Wein

 


 

Bezugsquellen und Internetlinks in Auswahl

 

www.vegetarische-rezepte.com

www.streuobst-ilhorn-sprengel.de

www.engelmost.de

www.streuobstwiesen-niedersachsen.de/web/start/baumschulen

 

www.kosmetik.peta.de

www.tierschutzbund.de/kosmetik-positivliste.html

 

www.bioeinkaufen.de

www.naturpark-lueneburger-heide.de/fileadmin/user_upload/_documents/UEbersichtskarte.pdf

 

www.livona.de/kreativ-muell-vermeiden-tipps-fuer-nachhaltige-geschen

www.dailygreen.de/…/weihnachten-so-verpacken-sie-geschenke-umweltf

 

www.bibliotheken-niedersachsen.de

www.bücherei@schneverdingen.de

Stadtbücherei Schneverdingen, Schulstraße 8, Schneverdingen

Bibliothek Waldmühle, Mühlenweg 4, Soltau

Stadtbücherei Munster, Friedrich-Heinrich-Platz 20, Munster

 

 

www.snapy.de/index.html

 

www.nna.niedersachsen.de

www.lbv.de/ratgeber/vogelschutz/voegel-fuettern/die-futterstelle.html

www.schwegler-natur.de

Landhandel, z. B. Raiffeisen-Märkte

 

 

www.weihnachtsmannfreie-zone.de

www.bahn.de

PCOK, Bahnhofstraße 40, Schneverdingen

 

 

www.ecovin.de