November: Alle Vögel sind schon da…

Winterfütterung bei Wildvögeln

Kurz nachdem der Verkauf der Weihnachtssüßigkeiten angelaufen ist, erscheinen Futterhäuser und Vogelfutter für die Herbst- und Winterfütterung freilebender Vögel in den Läden. Angesichts der milden Winter der letzten Jahre herrscht bei vielen Menschen Verunsicherung darüber ob eine Fütterung der Wildvögel tatsächlich sinnvoll ist oder ob sie vielleicht sogar mehr schadet als nutzt. Die Böhme-Zeitung zitierte in ihrer Ausgabe vom 15. Januar dieses Jahres die Deutsche Wildtier Stiftung: „Rotkehlchen und andere Singvögel brauchen trotz des milden Winters Hilfe. … Ihm und anderen Vögeln drohe der Hungertod.“ Viele Menschen berührt diese Aussage. Wer will schon Schuld am Verhungern der Gartenvögel sein? Aber macht füttern immer Sinn? Und was sollte man dabei beachten?

Warum Vögel füttern?

Die Fütterung gartenbesuchender Vögel hat in Deutschland Tradition. Manch einer hatte die ersten Kontakte zu Kohlmeise oder Rotkehlchen über das Futterhaus auf Terrasse oder Balkon. Auch heute noch ist die Beobachtung von Vögeln an der Futterstelle ein besonderes Erlebnis. Insbesondere für Kinder, die immer seltener Natur im Original erleben, sind solche Begegnungen wichtig und manchmal prägend für das ganze Leben. Unter diesem Aspekt hat Winterfütterung durchaus seine Berechtigung..

Ist Vogelfütterung im Garten gleichbedeutend mit Artenschutz?

Ganz klar: Nein! Durch die Fütterung von Vögeln im Siedlungsbereich wird keine einzige bedrohte Vogelart gerettet. Sie kommt fast ausschließlich Arten zugute, die nicht oder wenig gefährdet sind, wie beispielsweise Amseln, Meisen, Rotkehlchen, häufigen Finkenarten oder Buntspechten. Generell sind diese Vögel nicht auf eine Fütterung durch den Menschen angewiesen sondern kommen alleine auch durch kalte, schneereiche Winter, ohne dass ihre Bestände langfristig reduziert werden. Bei unseren heimischen Greifvogel- und Eulenarten, von denen zahlreiche auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten stehen, haben lange schneereiche Winter hingegen oft drastische Bestandseinbußen zur Folge. Ihnen könnte durch das Ausbringen von Frischfleisch geholfen werden.

Futterstellen in den Gärten, und seien sie noch so gut gemacht, erreichen nur relativ wenige Vogelarten. Das große Problem des ganzjährigen Nahrungsengpasses in der Kulturlandschaft wird durch die Fütterung im Siedlungsbereich nicht geringer.

Wussten Sie schon?
In Deutschland brüten derzeit 70–100 Millionen Vogelpaare. Rund 80 %der Brutpaare entfallen auf gerade einmal 22 Arten – und das bei etwa 250 bundesweiten Brutvogelarten insgesamt. Die drei häufigsten Brutvogelarten in Deutschland sind zurzeit Buchfink, Amsel und Kohlmeise.

Alternativen

Eine größere Hilfe für unsere heimischen Vogelarten als die winterliche Fütterung ist der Erhalt einer artenreichen, reich strukturierten Landschaft und die naturnahe Gestaltung der Gärten und Siedlungsräume. Die Pflanzung beerentragender, heimischer Sträucher und das Stehenlassen samentragenden Staudenstängel wird Weich- und Körnerfresser im Herbst und Winter in Ihren Garten locken. Lesen Sie zu diesem Thema auch den Tipp des Monats März!

Pfaffenhütchen (Foto: BK)

Pfaffenhütchen (Foto: BK)

Das Pfaffenhütchen wird im Volksmund „Rotkehlchenbrot“ genannt. Wer den wenig scheuen Vogel in seinem Garten über den Winter helfen möchte, sollte auf den heimischen Strauch mit den auffälligen rosa-orangenen Früchten nicht verzichten.

Die Schlehe ernährt mit ihren Früchten unter anderem Amseln, Meisen und Grasmücken. Da bleibt oft nichts mehr für die eigene Ernte übrig.

Schlehe (Foto: BK)

Schlehe (Foto: BK)

Wer zuerst kommt mahlt zuerst

Die Fütterung im Winter macht die Vögel satt, die in dieser Jahreszeit im kalten Deutschland bleiben – das einzelne Tier hat durch die zusätzliche Futtergabe bessere Überlebenschancen als ohne. Innerhalb einer Vogelart überleben zugefüttert viel mehr Individuen als dies unter „Nichtfütterungsbedingungen“ der Fall wäre. Die natürliche Wintersterblichkeit sinkt. Nicht nur die gesündesten Tiere überleben, sondern tendenziell alle werden durchgefüttert. Aus ethischen Gründen ist dies sicher eher vertretbar als aus Artenschutzgründen. Problematisch ist dies insofern, als natürliche Bruthöhlen und Nistkästen zu Beginn der Brutzeit vermehrt durch die häufigen Arten besetzt werden, die von der Winterfütterung profitiert haben. Später eintreffende Arten, deren Individuen den kräftezehrenden Flug vom Winter- in das Sommerquartier überlebt haben, haben dann oft das Nachsehen.

Tipps zur Vogelfütterung

  • Der Zeitraum der Fütterns sollte sich auf die Monate November bis Februar beschränken.
  • Futterhäuschen müssen mit heißem Wasser und einem milden Reinigungsmittel gründlich sauber gehalten werden, da sich über den Kot der Vögel Krankheitskeime schnell verbreiten. Eine häufige Krankheit ist die Trichomoniasis, der bereits Zigtausende Grünfinken zum Opfer gefallen sind. Vor allem die Fütterung und Tränkung im Sommer trägt zur Ausbreitung der Krankheit bei. Eine weitere Krankheit, die sich an Futterstellen ausbreitet, die Salmonellose, ist auch auf den Menschen übertragbar.
  • Sollten kranke Vögel bemerkt oder gar tote Tiere in der Nähe der Futterstelle gefunden werden, ist die Fütterung sofort einzustellen und das Futterhaus abzubauen. Kranke Vögel sind apathisch und haben jegliche Scheu vor dem Menschen verloren.
  • Am besten geeignet sind Futtersilos, die nur so viel Futter abgeben wie der Vogel frisst. Die Tiere können nicht in dem Futter herumlaufen und es verkoten und es fällt kein Futter zu Boden. Eine Reinigung zwischendurch ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Futterspender sollten wettergeschützt aufgehängt werden und Katzen keine Möglichkeit zum Anschleichen bieten.
  • In der Nähe eines Fensters sollten sie so installiert sein, dass diese keine Durchsichten oder Spiegelungen bieten (Gefahr von Vogelschlag an Glasscheiben).
  • Weichfutterfressern wie Rotkehlchen oder Zaunkönig kann man Obst, Haferflocken oder Rosinen über spezielle Bodenfutterspender anbieten. Diese können mittels eines einfachen Drahtkorbes oder Vergleichbarem vor Katzen geschützt werden.

Futtersilos für Vögel gibt es in verschiedenen Ausführungen – hier eine eher offene Variante in Metall und Terrakotta sowie ein weitestgehend geschlossener Futterspender aus Kunststoff. Hängt ein Silo ungeschützt in Regen und Schnee sollte man sich für ein geschlossenes Modell entscheiden, damit das Futter trocken bleibt.

Futtersilos (Foto: BK)

Futtersilos (Foto: BK)

Allergene im Körnerfutter
Winterstreufutter enthält häufig Samen der hochgradig allergieauslösenden Beifußambrosie, einer ursprünglich in Nordamerika beheimateten Art, die sich zunehmend in ganz Europa ausbreitet. Einige Futtermittelhersteller bieten inzwischen garantiert ambrosienfreies Streufutter an.

Literaturtipps

www.bfn.de/0315_vogelmonitoring.html

Bärbel Oftring
„Ein Garten für Tiere: Gestalten, Pflanzen, Beobachten“
KOSMOS 2013
ISBN 978-3440134566
ca. 8 €

Adrian Thomas
„Gärtnern für Tiere: Das Praxisbuch für das ganze Jahr“
Haupt Verlag 2013
ISBN 978-3258077598
ca. 30 €