Mai: Kein Tod am Fenster

Schutz vor Vogelschlag an Fensterscheiben

Wer kennt das nicht: ein Knall und ein paar Federn an der Fensterscheibe und ein Vogel liegt außen davor. Oft ist das verunglückte Tier bereits an einem Genickbruch gestorben, manchmal sitzt der Vogel mit Gehirnerschütterung benommen am Boden. Wer einen Vogel findet, der gegen eine Scheibe geflogen ist, sollte ihn vorsichtig in einen geschlossenen Karton setzen und diesen in eine ruhige Ecke stellen. Mit viel Glück erholt sich das Tier innerhalb weniger Stunden und kann wieder frei gelassen werden. Leider erleiden Vögel beim Aufprall gegen Glas meist innere Verletzungen an denen sie früher oder später sterben. Und in der Brutzeit verenden dann auch die Jungtiere, da die futterbringenden, wärmenden Elterntiere fehlen. Soweit muss es nicht kommen!

 

Vögel und Glasscheiben

Vögel sind Augentiere. Der optische Sinn ist bei ihnen hoch entwickelt und überlebenswichtig. Die in der Regel weit seitlich liegenden Augen bieten klare Vorteile, schränken aber die räumliche Wahrnehmung der Vögel ein. Glas wird daher meist nicht als Hindernis erkannt. In ihrer 150 Millionen Jahre währenden Entwicklungsgeschichte war dies nicht erforderlich – bis in die jüngste Gegenwart: Expandierende Siedlungs- und Gewerbeflächen mit zunehmend größeren Glasflächen, gläserne Lärmschutzwände an Straßen, verglaste Fußgängerbrücken und Verbindungsgänge bis hin zu gläsernen Unterständen für Einkaufswagen. Glas hat als Gestaltungselement in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Mit tödlichen Folgen für die Vögel. Hoch gerechnet sterben rund 250.000 Vögel nur in Europa täglich (!) an diesen Objekten.

Was ist das Problem? Glasfront

Je transparenter und großflächiger eine Glasfront ist, umso größer ist die Gefahr, dass Vögel dagegen fliegen. Der Vogel erblickt durch die Glasfläche eine dahinter liegende Landschaft oder einen einzelnen Baum und kollidiert mit der Scheibe – z. B bei Lärmschutzwänden oder gläsernen Verbindungsgängen. Ein anderer Fall: Je nach Art der Verglasung, der Beleuchtung oder der Innenraumgestaltung wird die Umgebung in der Scheibe reflektiert. Der Vogel erblickt in der Scheibe das Abbild seines Lebensraumes. Er erkennt nicht, dass es sich lediglich um ein Spiegelbild handelt – und fliegt hinein. Wir denken vielleicht als erstes an Hochhäuser mit Spiegelglas-Fassaden, aber je mehr Sie darauf achten, umso stärker wird Ihnen dieses auch im Kleinen auffallen. Beim Bau eines Wohnhauses werden die Vorlieben der zukünftigen Bewohner berücksichtigt aber selten auf die Gefahren für Vögel geachtet. Liegen sich zwei Fenster in einem Wohnhaus genau gegenüber besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit von Vogelschlag – auch wenn ein großer Raum dazwischen liegt. Problematisch sind auch verglaste Hausecken oder Wintergärten, insbesondere dann, wenn außen vor den Scheiben üppiges Grün wächst, das sich in der Scheibe spiegelt. Dreifachverglasung gilt in der Fenstertechnik bereits als Standard und spart Energie, doch leider spiegeln diese Scheiben stärker als herkömmliche Fenster.

Was kann der Einzelne tun?

Jeder einzelne Vogel, der sich an einer Glasscheibe verletzt oder bei einem Aufprall stirbt, ist ein Vogel zu viel. Jeder, der Vogelschlag bei sich am Haus beobachtet, sollte aktiv werden und Maßnahmen zur Verhinderung einleiten. Machen Sie in großflächig verglasten Schulen, Bürokomplexen, Supermärkten oder Autohäusern auf die Problematik aufmerksam. Vögel sind Sympathieträger, doch viele nehmen Vogelschlag an Glasflächen als unvermeidbares Übel hin.

Wirksame Gegenmaßnahmen Haustür

Die meisten denken in diesem Zusammenhang an die allseits bekannten schwarzen Greifvogelsilhouetten, die als Aufkleber zahlreiche Fenster zieren. Doch leider bieten diese keinen Schutz vor Kollision, da die Kontrastwirkung an Scheiben mit dunklem Hintergrund und bei Dämmerung viel zu gering ist. Als natürliche Feinde erkennen Vögel die Aufkleber ohnehin nicht. Vielmehr bewirkt das Bekleben der Scheiben, dass die Tiere das Glas als Hindernis wahrnehmen. Doch damit dies funktioniert, muss das Material, mit dem die Scheiben markiert werden, für die Vögel auch sichtbar sein. Im Handel sind daher heute auch gelb-rote Greifvogelsilhouetten zu erwerben. Tatsächlich wirksam sind diese aber auch nur dann, wenn sie sehr dicht geklebt werden. Da viele Vögel gewohnt sind durch dichtes Geäst zu fliegen, werden schon kleine Lücken zwischen den Aufklebern mitunter als Durchflugmöglichkeit angesehen. Egal, was auf die Scheiben geklebt wird, die Lücken sollten nicht größer als eine Handfläche sein. Generell sind außenseitig angebrachte Markierungen wirksamer, weil sie Spiegelungen im Glas brechen. Bewährt haben sich dabei vor allem vertikale Strukturen. Verständlicherweise will der Mensch einen möglichst freien Durchblick haben, doch selbst am Arbeitsplatz oder im Wohnbereich kann ein Gewöhnungseffekt einsetzen. Von innen angebrachte Lamellenjalousien, Vorhänge oder Fadengardinen wirken dann gut, wenn die Fensterscheiben nicht stark spiegeln. Das außenseitige Anbringen eines Insektenschutzgitters reduziert die Spiegelungen stark. Bei Bürogebäuden können außerhalb der Arbeitszeit die Jalousien geschlossen werden – dies spart zusätzlich Energie. Die Wirksamkeit von UV-Produkten ist noch nicht ausreichend nachgewiesen. Hierzu zählt beispielsweise der so genannte Birdpen, der für rund 15 Euro bei verschiedenen Quellen zu beziehen ist. Mit diesem filzstiftähnlichen Marker malt man an die Außenseite von Fensterscheiben ein möglichst dichtes Muster, das für den Menschen weitestgehend unsichtbar bleibt (allerdings nur bei sehr sauberen Scheiben), für Vögel jedoch zu erkennen ist. Probieren sie es aus! Die einfachste und billigste Lösung ist auch die bequemste: Einfach mal aufs Fensterputzen verzichten. Staubige Fenster schlucken Licht und werden je nach Verschmutzungsgrad leicht als Hindernis erkannt. Bei Durchsichten durch Räume lässt sich möglicherweise einfach eine Tür zwischen den beiden Fenstern geschlossen halten. Bei Neubauten sollte nach Möglichkeit das Spezialglas Ornilux zum Einsatz kommen, dessen neuartige Beschichtung bewirkt, dass es von Vögeln leichter als Hindernis erkannt wird. Überall dort, wo auf große Glasflächen nicht verzichtet werden soll und sich keine der genannten Maßnahmen durchsetzen lässt, sollte zum Wohle der Vögel die direkte Umgebung möglichst wenig vogelfreundlich gestaltet werden.

Internetseiten

www.bfn.de (Seite des Bundesamtes für Naturschutz)

www.vogelwarte.com (Seite der Schweizerischen Vogelwarte Sempach)

Reich bebildertes PDF-Download mit Hinweisen zu Literatur, Produkten, Kontaktadressen sowie weiteren Informationen.