April: Das Moor im Blumentopf? Nein, danke!

Stora Tingsvallmossen in Schweden, ein intaktes Hochmoor (Foto: TB)

Stora Tingsvallmossen in Schweden, ein intaktes Hochmoor (Foto: TB)

Über lange Zeit galten Hochmoore als düster, geheimnisvoll und todbringend. Germanische Opferkulte, Moorleichen und Irrlichter hielten die Menschen in der Regel von den Mooren fern. Solange, bis Torf eine Bedeutung als Brennmaterial erhielt und die entwässerten Moorflächen für die landwirtschaftliche Nutzung interessant wurden.

 

Heute weiß man um die herausragende ökologische Bedeutung der Hochmoore. Darüber hinaus werden Hochmoore für den Tourismus und die Naherholung vermarktet. Nichtsdestotrotz werden sie noch immer entwässert, abgetorft und bewirtschaftet.

Die Bedeutung von Hochmooren für die biologische Vielfalt

Hochmoore sind Naturlandschaften, die über Jahrtausende gewachsen sind. Sie finden sich vor allem im regenreichen Nordwesten Deutschlands, in den Mittelgebirgen und im Voralpenland. In den nährstoffarmen, sauren Mooren, die ihr Wasser nur aus Niederschlägen erhalten, haben sich hochspezialisierte Tier- und Pflanzengesellschaften entwickelt. An erster Stelle stehen die Torfmoose, die wie ein Schwamm große Wassermengen speichern und die charakteristischen Schwingrasen bilden. Während die Moospflanzen nach oben wachsen stirbt der untere Teil ab und bildet den Torf.

Torfmoos (Foto: Doris Blume-Winkler)

Torfmoos (Foto: Doris Blume-Winkler)

Das Wachstum der Torfmoose und damit die Torfneubildungsrate betragen pro Jahr gerade einmal einen Millimeter. Moore, die eine Torfmächtigkeit von zehn Metern besitzen, sind folglich 10.000 Jahre alt. Manche Arten und Lebensgemeinschaften kommen nur in Hochmooren vor, wie z. B. die Schmetterlingsart Hochmoor-Bläuling und die Nahrungspflanze seiner Raupen, die Moosbeere. Eine andere hochmoortypische Pflanze, der Sonnentau, verdankt seinen Namen klebrigen Sekrettröpfchen an den Blatträndern. Insekten, die hieran hängen bleiben und verdaut werden, dienen der Nährstoffergänzung auf den mageren Hochmoorböden.

Die Bedeutung von Hochmooren für den Klimaschutz

Hochmoore sind sehr bedeutend für den Klimaschutz. In intakten Hochmooren wird Kohlenstoff in großen Mengen durch Torfmoose aufgenommen und im Torf deponiert. Eine 15 Zentimeter dicke Torfschicht hat etwa so viel Kohlenstoff gebunden wie ein hundertjähriger Wald auf gleicher Fläche. Bei gestörtem Wasserhaushalt durch hohe Abflüsse über Entwässerungsgräben, die das Wasser zu nahe gelegenen Bächen und Flüssen transportieren, dringt Luft in den Torfkörper ein und der Moorboden wird durch Mikroorganismen zersetzt. Hierdurch wird klimaschädliches Methan und Kohlendioxid (CO2) frei gesetzt. Landwirtschaftlich genutzte Hochmoorböden geben in Deutschland jährlich rund 41 Millionen Tonnen CO2 ab – dies entspricht rund vier Prozent des deutschen CO2-Gesamtausstoßes. Paradox ist, dass beim Anbau von Energiemais auf ehemaligen Moorböden wesentlich mehr CO2 emittiert wird als bei der Vergärung dieses Maises in einer Biogasanlage im Vergleich zu anderen Energieträgern eingespart wird. Beim Eindringen von Luft in den zerstörten Moorkörper entsteht zudem Distickstoffmonoxid (Lachgas), dessen klimaschädliche Wirkung um ein Vielfaches höher ist als die von Methan und CO2. Experten sind sich einig: Die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden ist eine vergleichsweise kostengünstige Klimaschutzmaßnahme.

Die Bedeutung von Hochmooren für den Hochwasserschutz

Moore leisten einen wesentlichen Beitrag für den Rückhalt von Wasser in der Landschaft und tragen damit zum Schutz vor Hochwasser bei. Bei starkem Regen oder nach Überflutungen speichern sie das Wasser wie ein Schwamm und geben es nur langsam wieder ab. Die Pflanzen im Moor nehmen die im Wasser gelösten Nähr- und Schadstoffe auf und schließen sie durch Torfbildung dauerhaft im Moor ein. Zerstörte Moorschichten in ausgetrockneten Mooren können diese Funktion nicht mehr wahr nehmen, vorher gebundene Substanzen gelangen ins Grundwasser und in angrenzende Oberflächengewässer.

Die Gefährdung der Hochmoore

Abgetorfte Fläche (Foto: Frank-Ulrich Schmidt)

Abgetorfte Fläche (Foto: Frank-Ulrich Schmidt)

Hochmoore mit intaktem Wasserhaushalt und typischen Tier- und Pflanzenarten sind in Deutschland nur noch in kleinen Resten vorhanden und diese sind stark gefährdet. Noch vor drei Jahrhunderten waren große Flächen des heutigen Deutschlands von Mooren bedeckt, vor allem in der norddeutschen Tiefebene und im Alpenvorland. Der größte Teil der Moore wurde seitdem trocken gelegt und wird heute landwirtschaftlich für die Nahrungsmittel-, Futter- und Energieproduktion intensiv genutzt. In Nordwest-Deutschland wurden insgesamt über 2.000 Quadratkilometer Hochmoorfläche durch Entwässerung und anschließende landwirtschaftliche Nutzung oder Torfabbau zerstört oder stark beeinträchtigt. Damit ging der Lebensraumverlust von vielen seltenen, hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten einher. Anhaltende Entwässerungsmaßnahmen auf Moorstandorten führen zu einer nachhaltigen Veränderung und Zerstörung des Ökosystems, dessen Leistung auch für das Wohlergehen der Menschen und eine gesicherte Zukunft von fundamentaler Bedeutung sind. Noch immer werden Teilfächen in deutschen Hochmooren abgetorft, z. B. im Großen Moor bei Gifhorn. Nach Aufgabe der industriellen Abtorfung werden die Moorflächen zwar renaturiert, doch es dauert sehr lange, bis diese Flächen von der ökologischen Wertigkeit auch nur annähernd an die intakter, ungestörter Moore heranreichen. Während der Torfabbau in Deutschland heute aus naturschutzrechtlichen Gründen stark reglementiert ist, werden zur Gewinnung von Torf für den Garten- und Landschaftsbau sowie für medizinische und kosmetische Zwecke weiterhin große Hochmoorkomplexe vor allem in Nord- und Osteuropa industriell abgetorft und damit zerstört – mit Folgen für das Weltklima und für die lokale Tier- und Pflanzenwelt. Das Hauptcharakteristikum von Hochmooren, die Nährstoffarmut, ist gefährdet durch Nährstoffeinträge aus der Luft und aus benachbarten landwirtschaftlichen Flächen.

Warum Torf im Garten – und warum nicht?

Torf ist leicht, kann viel Wasser speichern und lockert den Boden auf. Deshalb wird er von vielen Gärtnern geschätzt. Ursprünglich nährstoffarm wird er mit Mineraldünger versetzt auch als Düngetorf verkauft – welch ein irreführender Name. Gärtner sollten bedenken, dass reiner Torf den pH-Wert des Gartenbodens senkt, der Boden also versauert. Einige Pflanzen schätzen das, z. B. Rhododendren und Heide, viele andere Gartenpflanzen mögen das hingegenüberhaupt nicht. Statt Torf zu verwenden kann man in einer Ecke des Gartens Eichenlaub kompostieren und erhält nach wenigen Jahren ein Substrat, das sich gut unter Koniferen, Rhododendren oder Heide ausbringen lässt. Man kann Eichenlaub auch direkt unter die säureliebenden Pflanzen legen. Torf lockert handelsübliche Pflanzerde auf, je höher der Torfanteil, desto günstiger ist in der Regel die Blumenerde. Aus Gründen des Arten- und Klimaschutzes sollte auf den Kauf torfhaltiger Produkte komplett verzichtet werden. Wer es nicht wie unsere Altvorderen machen und Erde von Maulwurfshügeln als Pflanzerde verwenden will, kann Gartenerde mit Kompost und ggf. etwas Sand mischen oder Torfersatzprodukte kaufen. Für Balkon-, Terrassen- aber auch Zimmerpflanzen eignet sich torffreie Blumenerde verschiedener Hersteller. Torffreie Erde ist allerdings nur dann im Beutel, wenn dies auch ausdrücklich draufsteht. „Bio-Erde“ ist nicht zwangsläufig torffrei. In torffreien Erden stecken in der Regel Recyclingprodukte.

Torffreie Erde unterscheidet sich optisch kaum von feinkrümeliger konventioneller Blumenerde. (Foto: BK)

Torffreie Erde unterscheidet sich optisch kaum von feinkrümeliger konventioneller Blumenerde. (Foto: BK)

Einkaufstipp!

Das Unternehmen Floragard vermarktet eine torffreie Bio-Erde, die folgende Substanzen beinhaltet: pflanzliche Stoffe aus der Lebens-, Genuss- und Futtermittelherstellung, Kohle, Bims und pflanzliche Stoffe aus dem Garten- und Landschaftsbau. Die Erde ist beispielsweise erhältlich bei Hagebau in Schneverdingen, der 40-Liter-Beutel kostet rund 10 Euro. Sollte der Händler Ihres Vertrauens keine torffreie Erde im Sortiment haben fragen Sie ruhig öfter nach – Nachfrage reguliert das Angebot.

Pietzmoor – das Moor vor der Haustür

Mittlerer Sonnentau (Foto: Doris Blume-Winkler)

Mittlerer Sonnentau (Foto: Doris Blume-Winkler)

Über 2,7 Quadratkilometer erstreckt sich das Pietzmoor im Südosten von Schneverdingen. Sein Alter beträgt rund 7.500 Jahre. Es erhielt seinen Namen vom nahe gelegenen Hof Pietz, einem alten Heidebauernhof. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Pietzmoor kleinflächigen bäuerlichen Handtorfstich, danach begann die planmäßige Abtorfung. Um 1960 waren ca. 25 % des Moores abgetorft. Dies war nur durch eine starke Entwässerung des Moores möglich. Die Veränderung des Wasserhaushalts des Moores schuf die Voraussetzung für die Ausbreitung von Kiefern und Birken, die nach Wegfall der Beweidung durch private Heidschnuckenherden bald große Flächen des Pietzmoores bedeckten. Die Bäume ziehen durch Verdunstung zusätzlich Wasser aus dem Moor. Seit Mitte der 70er Jahre werden in Abständen Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, Entwässerungsgräben abgedichtet und Gehölze beseitigt. Die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts ist vorrangiges Ziel. Nur so kann das Moor wieder wachsen. Noch dominiert neben wassergefüllten Torfstichen sowie den alten Entwässerungsgräben Wald das Bild des Pietzmoores. Doch in den Torfstichen stehen zahlreiche abgestorbene Bäume als Zeugen des angestiegenen Wasserstands im Moor. In ferner Zukunft wird das Pietzmoor nahezu baumfrei sein. Auf einem rund fünf Kilometer langen Rundweg durch das 2,7 km² große Pietzmoor und die Moorrandgebiete erschließen sich dem aufmerksamen Wanderer erstaunliche Eindrücke aus dem Ökosystem Hochmoor. Ein Spaziergang durchs Pietzmoor ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis; ein besonderes Highlight erwartet den Besucher aber auf jeden Fall zur Zeit der Moorfroschbalz. Meist um Mitte März herum sind in den ersten beiden großen Torfstichen, die vom Parkplatz am Emilyweg in zehn Minuten Fußmarsch zu erreichen sind, die hellblau verfärbten Männchen der Moorfrösche zu beobachten. Die Blaufärbung hält meist nur wenige Tage an und wirkt besonders schön bei Sonnenschein. An warmen, sonnigen Tagen sind die Tiere auch am aktivsten – fragen Sie am besten Eingeweihte nach dem geeignetsten Zeitpunkt. Wer die Moorfroschbalz verpasst hat sollte dem Pietzmoor auf jeden Fall im Mai oder Juni zur Zeit des Wollgras-Fruchtens einen Besuch abstatten. Die oft fälschlicherweise „Blüten“ genannten weißen Fruchtstände dieser Sauergras-Art verzaubern für mehrere Wochen das Moor und seine Besucher. Entlang des Rundweges durch das Pietzmoor vermitteln Schautafeln an neun Stationen Wissenswertes zum Thema Hochmoor.

Literaturtipps

Scheidiges Wollgras (Foto: Doris Blume-Winkler)

Scheidiges Wollgras (Foto: Doris Blume-Winkler)

Moor: Eine norddeutsche Landschaft“

Tobias Böckermann, Willi Rolfes

Verlag Tecklenborg, 2009, Ca. 35 €

für Kinder:

Malte im Moor: Entdeckungsreise in die Vorgeschichte“

Irmtraud Rippel, Heike Ellermann

Verlag Lappan, 1995, Ca. 20 €