Juni: Spinne am Abend…

Tierische Mitbewohner in unseren Häusern

Hand aufs Herz: Wer von uns kann abends im Bett entspannen, wenn eine große Winkelspinne an der Schlafzimmerdecke entlang krabbelt. Immerhin erreicht diese Art einschließlich ihrer Beine eine stattliche Körperlänge von bis zu acht Zentimetern. Und wer weiß, ob sie wirklich an der Decke bleibt ….

Die Angst vor Spinnen und wie man ihr begegnen kann

Den meisten Menschen sind Spinnen zutiefst unsympathisch, sie empfinden Ekel- oder Angstgefühle beim Anblick eines Achtbeiners. Und etwa jeder dritte Bundesbürger behauptet von sich eine Spinnenphobie zu haben. Was viele nicht wissen: Die Abscheu vor Spinnen und sogar die echte Spinnenphobie mit entsprechenden körperlichen Symptomen bei den Betroffenen wird in unserem Kulturkreis anerzogen – und kann ebenso gut wieder abtrainiert bzw. behandelt werden. Am besten ist es allerdings, man begreift von Kindesbeinen an Spinnen als unverzichtbare Bestandteile unserer Ökosysteme und gewöhnt sich auch an den Anblick von Spinnen in Haus und Garten. Es gibt viele eher kleine heimische Arten, die wunderschön gefärbt sind, interessante Netze bauen oder faszinierende Fangmethoden entwickelt haben. Kleinere Kinder sind dafür in der Regel noch empfänglich, später klappt´s dann mit der Begeisterung nicht mehr so gut. Da hilft´s dann auch nicht mehr die Nützlichkeit der Spinnen für den Menschen hervorzuheben, denn das wissen die meisten bereits. Grundsätzlich gilt: Wer Angst vor Spinnen hat braucht keine Spinnen anzufassen. Aber es gibt auch keinen Grund sie zu zertreten, in den Staubsauger einzusaugen oder mit giftigem Spinnenvernichtungsmittel einzusprühen. Es gibt eine weitaus sanftere Methode nicht erwünschte Spinnen aus dem Haus zu bekommen. Lesen Sie dazu weiter unten im Text.

Warum sind Spinnen und andere „Krabbeltiere“ überhaupt im Haus?

Spinne am Fensterrahmen (Foto: BK)

Spinne (Foto: BK)

Unsere Häuser bieten für einige Tiere geradezu paradiesische Verhältnisse und ähneln oft ihren natürlichen Lebensräumen. Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Lichtverhältnisse von Kellerräumen entsprechen häufig denen von Höhlenlebensräumen, vor allem dann, wenn der Keller einen Naturboden hat. Kein Wunder, dass Spinnen, Weberknechte, Asseln, Tausendfüßer oder Nacktschnecken sich hier ansiedeln. Vorausgesetzt die Tiere gelangen hier überhaupt herein. Offen stehende Fenster und Türen oder Spalten zwischen Kellertür und Boden gewähren verschiedenen Tieren Einlass. Viele leben dauerhaft hier, andere nur zeitweise, wie z. B. Erdkröten und Molche. Diese Amphibienarten suchen Kellerräume als Tagesverstecke auf oder ziehen sich zum Überwintern in sie zurück. Die wechselwarmen Tiere sind zum Überleben im Winter auf frostfreie Orte angewiesen. Sollten Sie Amphibien in Ihrem Keller bemerken, stellen Sie unbedingt sicher, dass diese auch wieder ans Tageslicht gelangen können. Ein einfaches an der Kellertreppe oder am Lichtschacht angebrachtes Brett macht dies möglich.

Dachböden wiederum werden gerne von Schmetterlingen als Überwinterungsquartier angenommen. Durch die Trockenheit und relative Wärme auf Dachböden benötigen die Insekten weniger Energie um den Winter zu überstehen und haben daher größere Überlebenschancen. Auch hier gilt: Schmetterlinge auf Ihrem Dachboden wollen irgendwann wieder ins Freie. Dies gelingt ihnen am besten durch ein (zeitweilig) offen stehendes Fenster.

Viele Tiere verirren sich einfach auch nur in unsere Häuser. Zum Beispiel Nachtschmetterlinge, die künstliche Lichtquellen in unsere Räume lockt. Wenn´s irgend geht, sollten die Fenster geschlossen werden, sobald es draußen dunkel und innen hell wird. Insektengitter vor den Fenstern wären die Alternative. Und das nicht nur, weil wild umherflatternde Schmetterlinge im Haus nerven können, sondern vor allem, weil die Tiere beim Fliegen um Lampe oder Kerze alle Energien verbrauchen. Sofern sie nicht in der Kerzenflamme ein jähes Ende finden, sterben sie früher oder später an Erschöpfung. Nachtschmetterlinge in der Dunkelheit im Garten zu beobachten kann dagegen ein echtes Erlebnis sein. Spannen Sie doch einfach mal im Sommer in der Dämmerung oder der Dunkelheit ein weißes Bettlaken im Garten auf und beleuchten dieses von einer Seite mit einer etwas größeren Lampe. Je nachdem wie attraktiv ihr Garten für Schmetterlinge ist werden Sie unterschiedliche Arten zu sehen bekommen. Die Chancen hierfür stehen besonders gut, wenn in Ihrem Garten nachtduftende Blütenpflanzen wie Geißblatt oder Phlox wachsen. Diese sind regelrechte Schmetterlingsmagneten.

Die Verwirrung ist meist groß, wenn beispielsweise Käfer, Heuschrecken oder Ohrwürmer im Haus auftauchen. Aber auch diese Sechsbeiner wollen in der Regel nichts von uns, unseren Lebensmitteln oder unserem Hausrat. Auch sie haben sich schlichtweg verlaufen und irren im Haus umher. Gelegentlich werden ihre Vermehrungsstadien, also Eier, Larven oder Puppen durch Verpackungsmaterialien eingetragen. Nicht weiter eingegangen werden soll hier auf echte Lebensmittelschädlinge wie Dörrobstmotte oder Getreidekäfer, denen man selbstverständlich nicht mit der Gelassenheit begegnen kann wie anderen Insekten.

Und wie bekommt man sie im Zweifelsfall wieder heraus?

Snapy (Foto: BK)

Snapy (Foto: BK)

Es gibt ein kleines Fanggerät aus Kunststoff, dass seinen Preis in Höhe von rund zehn Euro wirklich wert ist: der Snapy (vom Englischen „to snap“ = schnappen). Es gibt den Snapy beispielsweise in gut sortierten Spielwarenläden, bei Outdoor-Ausrüstern und selbstverständlich im Internetversandhandel. Das Prinzip: Ein nach unten offener kleiner transparenter Fangbehälter an einem längeren Griff wird über das Tier gesetzt. Mittels eines im Griff integrierten Schiebers lässt sich eine feste Folie unter das Tier schieben – es ist gefangen und kann in die Freiheit befördert werden. Einige Snapys verfügen über eine eingebaute Lupe, mit der man das Tier noch in aller Ruhe betrachten kann. Einziger Nachteil: Der Fangbehälter ist relativ klein. Für große Insekten (z. B. große Heuschrecken) oder sehr große Spinnen (wie die große Winkelspinne) wird´s hier drin zu eng, und dann hilft wieder nur die alte Methode: Glas überstülpen – Papier unter das Tier schieben – raus setzen. So lässt sich jeder ungebetene Gast tier- und menschenwürdig aus dem Haus befördern.

Literaturtipps

Michael Stocker, Sebastian Meyer

Wildtiere, Hausfreunde und Störenfriede“

Haupt Verlag 2012

ISBN 978-3-258-07664-5

Preis: 29,80 €

Franz Renner

Spinnen, ungeheuer – sympathisch“

Rainar Nitzsche Verlag 2012

ISBN 978-3-980-21020-1

Preis: ca. 10 €

für Jugendliche von ca. 12 – 16 Jahren

Rainar Nitzsche

Spinnen lieben lernen, Biologie – Heimische Arten – Rekorde“

Rainar Nitzsche Verlag 2013

ISBN 978-3-930-3048-37

Preis: ca. 10 €

für Kinder bis ca. 6 Jahre

Anne Vallet

Die Spinne“

esslinger 2009

ISBN 978-3-480-2246-54

Preis: ca. 10 €