Juni+Juli: Summ, Summ, Summ…


Wildbienen unterstützen – gewusst wie

 

Bei dem Wort „Biene“ denkt fast jeder an die Honigbiene. Dass es neben unserem Nutztier und Honiglieferanten viele andere Bienenarten gibt, die „wild“ leben, ist vielen Menschen nicht bekannt. Weltweit werden über 20.000 Bienenarten vermutet, in Deutschland sind rund 550 Arten nachgewiesen. Mehr als die Hälfte von ihnen steht heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Ohne fördernde Maßnahmen sieht es schlecht aus für die kleinen pelzigen Flieger. Doch sind sogenannte „Insektenhotels“ die Lösung? Und wenn ja, wie sollten diese beschaffen sein, damit sie eine wirkliche Maßnahme des Artenschutzes sind?

 

Was ist eigentlich eine „Wildbiene“?

Wildbienen sind nicht wild, sie leben lediglich wild, das heißt nicht in Abhängigkeit vom Menschen und zum Nutzen ihres Halters. Gelegentlich hört man auch von „Solitärbienen“ als Synonym für „Wildbienen“. „Solitär“ bedeutet im zoologischen Sinne einzeln lebend. Bei den weitaus meisten Wildbienenarten leben tatsächlich die Individuen alleine für sich und treffen lediglich einmal in ihrem Leben zur Paarung mit einem Geschlechtspartner ihrer Art zusammen. Doch neben diesen Individualisten gibt es eine Gruppe von staatenbildenden Wildbienenarten: die Hummeln, unsere größten Wildbienen. Interessanterweise ist dies jedoch noch nicht alles. Die Sandbienen, von denen alleine in Mitteleuropa rund 150 Arten bekannt sind, bilden oft so genannte Nestaggregationen auf freiem Boden mit sandigen Stellen oder in sandigen Fugen zwischen Steinplatten. Innerhalb dieser Ansammlungen liegen die Brutröhren sehr dicht beieinander. Nur ausnahmsweise wird ein Nest von mehreren Weibchen gemeinsam benutzt. Aufmerksamkeit erregt dies beispielsweise auf Kindergartengeländen, wenn die Kinder beim Spielen plötzlich von vielen kleinen Bienen umgeben sind. Zwischen dieser Art der Sozialisierung und der hochsozialen Lebensweise der Honigbiene gibt es noch mehrere Zwischenformen.

 

Wildbienen werden selbst von Personen, die wissen, dass es eine derartige Tiergruppe gibt, oft nicht als solche erkannt. Es ist, zugegebenermaßen, mitunter auch nicht ganz einfach. Die Arten variieren in der Größe zwischen 5 Millimetern und fast 3 Zentimetern und können unterschiedlich stark behaart und gefärbt sein. Ihrem Aussehen verdanken viele Arten ihren klangvollen Namen, wie zum Beispiel Maskenbiene oder Zottelbiene. Häufig wurden die Bienenarten ausschließlich oder zusätzlich nach den Pflanzen benannt, an denen sie gefunden wurden, wie beispielsweise die Efeu-Seidenbiene. Oder aber nach ihrem Niststandort, wie zum Beispiel die Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene.

 

Wildbienen ernähren sich selbst größtenteils von Blütennektar als Lieferant für Kohlenhydrate und in geringem Umfang von eiweißreichem Pollen. Letztgenannter wird von den Bienenweibchen für die Ernährung ihrer Larven gesammelt.

 

Wildbienen besitzen eine sehr hohe Bestäubungseffizienz, das heißt, sie sorgen für eine gute Verbreitung und Ablage des Pollens der Blütenpflanzen. Sie gelten als besonders wichtige Bestäuber für Wildpflanzen als auch für Kulturpflanzen, und werden daher zunehmend im Erwerbsgarten- und –landbau eingesetzt, zum Beispiel in Gewächshäusern oder in Obstplantagen. Zu ihrer ökologischen Bedeutung kommt daher ihr ökonomischer Wert.

 

Stechen Wildbienen?

Die Weibchen aller Wildbienenarten besitzen einen Giftstachel, den aber zumindest die solitär lebenden Arten nur zur Selbstverteidigung nutzen, da sie im Gegensatz zum Beispiel zur Honigbiene keinen Insektenstaat zu verteidigen haben. Ihre Brutzellen mit den darin befindlichen Eiern und Larven verteidigen Wildbienen nicht. Wird eine Wildbiene mit den Fingern gedrückt, zwischen Haut und Kleidung gequetscht oder wird auf sie getreten, wird sie sicher versuchen zu stechen. Ihr Stich schmerzt jedoch viel weniger und kürzer als der einer Honigbiene oder einer Wespe. Der Stachel bleibt nicht in der Haut und es wird nur sehr wenig Gift injiziert. Bei vielen Wildbienen ist der Stachel zudem zu schwach um die menschliche Haut zu durchdringen. Man kann sich eine Wildbiene also ruhig über die Hand krabbeln lassen und auf ihre Friedfertigkeit vertrauen. Bei den sozialen Wildbienen, den Hummeln, zeigen nur die Baumhummel und im Erdboden nistende Hummelarten ein Verteidigungsverhalten bei Störungen im Nestbereich. Arten in Nestaggregationen verteidigen ebenso wie die echten solitären Arten ihren Neststandort nicht.

Wildbiene auf Finger

 

Ursachen für den Rückgang der Wildbienen

Wildbienen umgeben, oft unbemerkt, den Menschen nahezu überall. Die Lebensräume der einzelnen Arten unterscheiden sich oft stark voneinander – vom Hochmoor über den Sandmagerrasen bis zum Hausgarten ist alles möglich. Zwei Faktoren bestimmen allerdings stets über ihr Vorkommen:

a) geeignete Nistplätze und

b) Blütenpflanzen als Nahrungsquelle.

 

Eingriffe in die Natur zerstören oder minimieren geeignete Niststrukturen. Aus Wildbienensicht fehlt es in unserer Landschaft vor allem an vegetationslosen, lehmigen Wegen, Steilwänden und Abbruchkanten sowie Totholz. Einige Arten kleiden ihre Brutröhren mit diversen, artspezifischen Materialien, beispielweise Blütenblätter einer bestimmten Pflanzenart aus (die Mohn-Mauerbiene benötigt beispielsweise die Blütenblätter des Klatschmohns). Fehlt diese eine bestimmte Pflanzenart, kann die davon abhängige Bienenart an dieser Stelle nicht brüten.

 

Der zweite entscheidende Punkt ist der Rückgang blütenreicher Vegetation. Pollen- und Nektarquellen stehen vielen Bienenarten heute nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Da es unter den Wildbienen viele Spezialisten gibt, die nur an wenigen, oder gar nur an einer Pflanzenart Nahrung aufnehmen oder Pollen sammeln, verschwinden diese Bienen zusammen mit den Blühpflanzen. Pollen- und Nektargeneralisten unter den Bienen sind dementsprechend weniger oder gar nicht gefährdet. In Abhängigkeit von den Blühzeiten der Nahrungspflanzen besitzen die einzelnen Arten sehr unterschiedliche Flugzeiten, zu denen wir sie dann theoretisch auch sehen können. Im zeitigen Frühjahr erscheinen als erste mit der Blüte der Salweide einige Sandbienen-Arten. Die Efeublüte im September ist Nahrungsquelle für die späteste heimische Wildbienenart, die Efeu-Seidenbiene.

efeubewachsenes Haus

Unbedingt erhaltenswert: Alte Efeupflanzen, insbesondere an Häusern oder Mauern, als späte Pollenquelle für die Efeu-Seidenbiene.

 

Diese Grundansprüche der Bienen an ihre Umwelt decken sich räumlich oft nicht; das heißt, wo es geeignete Nahrung gibt, müssen noch lange keine geeigneten Nistplätze in der Nähe sein. Der Lebensraum der Tiere setzt sich also aus mehreren Einzelteilen zusammen. Nur wenn die Distanz zwischen diesen Einzelteilen von der Biene bewältigt werden kann, sind die Bedingungen für das Vorkommen der Art gegeben.

 

Den größten Einfluss auf die Wildbienenbestände hat die Landwirtschaft. Im Gegensatz zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft vergangener Zeiten haben Bienen in Zeiten der industriellen Landwirtschaft in der Feldmark kaum noch Überlebenschancen. Es fehlt an Nahrung und Nistmöglichkeiten, Pestizide schädigen das Immunsystem der Bienen und stören ihre Orientierungsfähigkeit.

 

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird es leichter, aktiven Wildbienenschutz zu betreiben. Jeder Haus-, Garten-, Terrassen- oder Balkonbesitzer, jeder Landwirt, jeder Verbraucher, jeder Kindergarten, jede Schule und so weiter und so fort kann Wildbienen durch verschiedene Maßnahmen unterstützen und fördern.

 

Erhaltung und Schaffung von Nahrungsgrundlagen

Ohne ein vielfältiges Nahrungsangebot können Wildbienen nicht existieren. Je größer das Spektrum pollen- und nektarspendender Blühpflanzen, umso mehr Wildbienenarten sind zu erwarten – vorausgesetzt, entsprechende Brutmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe. Bei der Gartengestaltung können die Ansprüche vieler Bienenarten berücksichtigt werden, auch dann, wenn die Fläche vornehmlich der Erholung oder dem Gemüseanbau dienen soll. Staudenrabatten, Balkon- oder Terrassenbepflanzung lassen sich mit bienengeeigneten Blühpflanzen ausstatten. In Büchern oder im Internet finden sich zahlreiche Hinweise auf bienenfreundliche Pflanzen. Bereits ein schmaler naturbelassener Streifen mit Wildpflanzen wie Gundermann, Taubnessel oder Wilder Möhre blüht schön und bietet Nahrung. Eher ordnungsliebende Gartenbesitzer können vielleicht wenigstens stellenweise aufs Krautzupfen verzichten. Das spart nicht nur Arbeit, sondern bereichert den Garten ungemein. Freuen Sie sich über Gänseblümchen in Ihrem Rasen – auch an diesen kleinen, oft übersehenen Pflanzen lassen sich Wildbienen beobachten.

Gänseblümchen

Auch ein Mährasen kann Wildbienen Nahrung bieten – einfach seltener mähen.

 

Der Verzicht auf die allgegenwärtigen Koniferen und Forsythien ist aus Wildbienensicht kein Verlust. Die ebenfalls früh und gelb blühende Kornelkirsche hingegen wird gerne von ihnen besucht. Feldahorn, Weißdorn, Schlehe oder Wildrose ergänzen das Nahrungsangebot unter den Sträuchern. Und von Obstgehölzen wie Johannisbeere, Stachelbeere, Kirsche oder Apfel profitieren nicht nur wir, sondern auch die Wildbienen.

 

Verfügen Sie über ausreichend Platz, Zeit und Muße, ist vielleicht die Anlage einer Blumenwiese reizvoll. Es gibt mittlerweile viele hilfreiche Anleitungen in der Literatur und im Netz. Speziell auf Wildbienen ausgerichtete Saatmischungen lassen sich auf der für eine Wiese vorbereiteten Fläche, aber auch auf kleineren Flächen im Garten ausbringen.

 

Auch unter den Rank- und Kletterpflanzen gibt es zahlreiche für Wildbienen wertvolle Nahrungspflanzen. Versuchen Sie es doch einmal mit der lang anhaltend blühenden Rotfrüchtigen Zaunrübe. Bezugsquellen finden Sie am Ende dieses Tipps.

 

Eine kleine Auswahl aus dem Spektrum der Nahrungspflanzen – Wild- und Kulturpflanzen:

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(Apfelbaum, Weiße Taubnessel, Weißdorn,

Schöllkraut, Schnittlauch, Milchstern,

Löwenzahn, Kriechender Günsel, Feldahorn)

 

 

Was für den privaten Garten gilt, lässt sich auch auf öffentlichen Flächen, wie beispielsweise einem Kindergarten- oder Grundschulaußengelände umsetzen. Vor allem eine Um- oder Neugestaltung derartiger Flächen eröffnet viele Möglichkeiten.

 

Verkehrsflächen eignen sich aufgrund der Verwirbelungen bedingt als Wildbienenlebensraum. Aber entlang wenig frequentierter Verkehrswege lassen sich durchaus artenreiche Säume schaffen.

Blühfläche an Bahn

Blütenreiche Fläche direkt neben einer Gleisanlage. Wilde Möhre, Weißer Steinklee und Kleinblütige Königskerze locken nicht nur Wildbienen an.

 

Erhalt und Schaffung geeigneter Nistmöglichkeiten

So vielfältig die Wildbienenarten in ihrem Aussehen sind, so vielfältig sind ihre Ansprüche an einen Nistplatz. Generell gilt: Je größer das Angebot an unterschiedlichen Nistmöglichkeiten, umso größer die Anzahl von Arten, die auf einer bestimmten Fläche – beispielsweise in einem Garten – leben können. Vorab eine desillusionierende Nachricht: Fast alle Bienenarten, die am so genannten „Insektenhotel“ zu beobachten sind, sind weit verbreitet und ungefährdet. Zudem nutzen vergleichsweise wenige Arten dieses Angebot. Nichtsdestotrotz bietet eine derartige Nisthilfe naturinteressierten Menschen und insbesondere auch Kindern eine tolle Möglichkeit, Kontakt zu Wildbienen aufzunehmen, sie zu beobachten und Einblicke in ihre Lebensweise zu bekommen. Manch einer hat am „Insektenhotel“ erstmalig bewusst eine Wildbiene gesehen und war möglicherweise überrascht von ihrer geringen Größe. Da der Begriff „Hotel“ dem, was die Bienen hierin leisten, nicht gerecht wird, verabschieden wir uns an dieser Stelle von ihm und sprechen künftig nur noch von Nisthilfe. Wir schaffen hiermit lediglich ein Angebot für die Tiere, der Ausbau bleibt ihnen selbst überlassen. Und letztendlich dient sie den Bienen in erster Stelle nicht als nächtliche Bleibe, sondern als Aufzuchtstätte für die nächste Generation. Verlassene Brutröhren werden allerdings nachts und bei ungünstiger Witterung tatsächlich als Unterschlupf von den Bienen aufgesucht.

 

Nisthilfen finden sich inzwischen an vielen Orten: in Gärten und auf Balkonen, in Zoos, an Kindergärten oder auf dem Wochenmarkt, wo sie zum Kauf angeboten we

rden. Schulklassen, Naturschutz-Kindergruppen oder Gärtner bauen und verteilen sie. Leider wurden und werden dabei oft grundlegende Fehler gemacht, die vielfach abgeguckt und kopiert werden. Die Angebote entsprechen manches Mal nicht den tatsächlichen Bedürfnissen der Tiere oder werden so gefertigt, dass sie den Bienen sogar eher schaden als nützen – Arbeit, Zeit und Geld werden leider oft umsonst investiert, Enttäuschung und nachlassendes Interesse sind vorprogrammiert.

 

Was passiert in einer Nisthilfe?

Wildbienen beim Brüten

Nach der Paarung suchen die begatteten Weibchen in der näheren Umgebung eine für sie passende Nistgelegenheit auf. Je nach Anspruch orientieren sie sich dabei an verschiedenen Strukturen im Gelände, z. B. an Wegen, Loch-Strukturen oder Schneckenhäusern. Arten, die Ausschau nach Löchern halten, entscheiden sich möglicherweise für eine ihnen angebotene Nisthilfe. In bis zu 30 Brutröhren legt die Biene dann jeweils nacheinander etwa 8 Brutzellen an. Jede dieser Brutzellen wird ausgestattet mit einem nektar- oder pflanzenölverklebten Pollenvorrat, auf den die Biene ein einzelnes Ei legt. Im Anschluss an die Eiablage verschließt die Biene die Brutzelle mit einer Trennwand, die sie aus mit Speichel vermischtem Lehm oder Pflanzenbestandteilen herstellt. In den zuletzt abgelegten Eiern der vorderen Brutzellen entwickeln sich die Männchen, in den nachfolgenden die Weibchen. Die vorderste Brutzelle jedoch bleibt völlig frei. Diese Leerzelle bietet den Larven und später den Puppen Schutz vor Fressfeinden wie Meisen oder Spechten. Ist eine Brutröhre gefüllt, wird sie abhängig von der Art mit einem Deckel aus Lehm oder Pflanzenmaterial verschlossen. Aus dem Ei schlüpft bereits nach 4 bis 11 Tagen eine Larve. Diese frisst den Proviant ihrer Brutzelle und wächst schnell. Der Futtervorrat reicht für die gesamte Larvenzeit. Hat die Larve die Größe erreicht, in der sie sich verpuppen kann, unterbricht sie ihre Entwicklung und tritt in das Stadium der Ruhelarve ein, das bis zu 11 Monate dauern kann und in dem das Tier meist auch überwintert. Wenn die Jungbienen schlüpfen, ist ihre Mutter längst gestorben. Die Bienenweibchen haben folglich nie Kontakt mit ihren Nachkommen, ihr Leben währt lediglich wenige Wochen.

 

Nicht nur bei Wildbienen begehrt

So wie es bei den Vögeln den brutschmarotzenden Kuckuck gibt, gibt es unter den Wildbienen die Kuckucksbienen. Diese bauen keine eigenen Brutzellen, sondern profitieren von der Brutfürsorge ihrer Verwandten. Sie legen ihre Eier in vorbereitete Brutröhren, wenn die eigentliche „Eigentümerin“ dieser Röhre auf Pollen- oder Nektarsammelflug ist. Die schlüpfende Larve saugt entweder das Wirtsei oder die bereits vorhandene Larve aus und verzehrt anschließend den Futtervorrat. Kuckucksbiene ist ein Sammelbegriff, hinter dem sich einige Arten verbergen. Die meisten parasitisch lebenden Bienen sind eng an ihren Wirt gebunden und können ohne diesen nicht existieren (ähnlich übrigens der Vogel Kuckuck). Auch andere Insektenarten profitieren von der Brutfürsorge der Bienen oder von den von uns angebotenen Nisthilfen. Häufig zu beobachten sind die kleinen metallisch-schimmernden Goldwespen, ebenfalls Brutparasiten. Beobachten Sie ein Insekt, das ein kleines Beutetier in eine leere Brutröhre einträgt, handelt es sich um eine Grab- oder Wegwespe, deren Larven Eiweiß nicht in Form von Pollen, sondern als Fleisch benötigen. Besitzt das Insekt statt dessen einen langen Legebohrer am Hinterleib, hat sich eine Schlupfwespe eingefunden, die mit Hilfe des Bohrers unverdeckelte Brutröhren ansticht und ein Ei in einer Brutzelle ablegt. Die hieraus schlüpfende Larve ernährt sich wiederum von den Wirtslarven. Auch diverse Käfer und Fliegen haben es gelegentlich auf Pollen, Eier, Larven und Eier abgesehen. Statt diese Vorgänge in der Natur mit menschlichen Wertmaßstäben zu messen, sollten wir uns an dem bunten Treiben an unserer Nisthilfe erfreuen. Die Natur schafft sich ihre eigene Ordnung!

 

Worauf kommt´s beim Bau einer Nisthilfe wirklich an – welche Fehler sollten vermieden werden?

Kein Platz für Mitbewohner

Auch wenn es auf den ersten Blick unsozial erscheint: Schaffen Sie keinen Wohnraum für mitbewohnende Insektenarten, insbesondere nicht für den Ohrwurm. In vielen käuflich zu erwerbenden Nisthilfen befinden sich mit Holzwolle, Stroh oder Zapfen gefüllte Fächer. Diese Materialien sollen dem Gemeinem Ohrwurm (umgangssprachlich auch Ohrenkneifer genannt) Versteckmöglichkeiten bieten. Diese Insekten ernähren sich von pflanzlicher und tierischer Nahrung und gehen auch gerne an die Pollenvorräte, die eigentlich für die Bienenlarven eingelagert worden sind. Für die Larven geht das verständlicherweise nicht gut aus. Ohrwürmer sind im Bestand nicht gefährdet. Als eine Maßnahme des Pflanzenschutzes macht ihre Förderung Sinn, aber bitte nicht direkt neben einer Wildbienennisthilfe.

Die Nisthilfe aus Holz – der Klassiker

Es ist bekannt, dass Wildbienenarten Holz gegenüber Stein bevorzugen. In der freien Landschaft besiedeln Bienen leere Käfer-Bohrgänge im Holz. Holz bietet sich daher für die Herstellung von Wildbienen-Nisthilfen an, zumal es leicht und günstig zu beschaffen ist. Ein Kardinalfehler wird allerdings immer wieder gemacht und hat sich mittlerweile tradiert: Die Brutröhren werden in das Hirnholz gebohrt, also in die Schnittseite, auf der die Jahresringe zu erkennen sind. Diese Art der Bohrung erscheint zunächst logisch, praktisch und dekorativ. Früher oder später stellen sich allerdings Risse ein. Bereits angelegte Brutröhren werden durch diese Risse zerstört, die Brut ist ungeschützt der Witterung ausgesetzt oder wird durch eindringende Pilze vernichtet.

gerissener Nistklotz

So bitte nicht! Bohrungen im Hirnholz können Bienen mitunter mehr schaden als nutzen.

Wie dann? Drehen Sie die Baumscheibe oder den Holzklotz um 90 Grad, so dass die Jahresringe zur Seite zeigen. Bohren Sie jetzt in die Seite, auf die Sie blicken – das muss die Seite sein, an der sich die Rinde befindet oder befand. Sie können auch in die Länge eines dicken Astes bohren. Die Bohrgänge sollten einen Durchmesser von 2 bis 8 Millimetern besitzen, die Mehrzahl der Löcher die Stärke

3 – 6 Millimeter. Bohren Sie so tief, wie der Bohrer reicht. Durchbohren Sie das Holz dabei nicht, sondern belassen Sie eine Rückwand, damit es in der Brutröhre dunkel ist. Beachten Sie dies bei der Auswahl des Holzstücks. Bohren Sie doch durch das Holz hindurch, verschließen Sie die Brutröhre am Ende beispielsweise mit Watte. Fragen Sie in Zimmereibetrieben oder Sägewerken nach günstigen Rest-Holzstücken oder erwerben Sie fertige Nistklötze bei speziellen Anbietern Diese sind zwar sauber gearbeitet, jedoch auch nicht vor Rissen im Hirnholz geschützt, wie das nächste Foto zeigt.

Nistklotz

Auch käuflich zu erwerbende Nisthilfen aus Holz (hier ein Insektennistholz aus Buche der Firma Schwegler) können im Hirnholz reißen (siehe die Seite des Nistklotzes).

 

Worauf muss bei Nisthilfen aus Holz zudem geachtet werden?

1. auf die Art des Holzes

Lediglich unbehandeltes, trockenes Hartholz ist für den Bau von Bienen-Nisthilfen geeignet, vornehmlich Eiche, Rotbuche, Esche oder Erle. Weichhölzer wie Weide, Pappel, Linde oder Erle sind zu grobfaserig und quellen bei Luftfeuchtigkeit zu stark auf, wodurch schlimmstenfalls die Bienenlarven in den Brutröhren zerquetscht werden. Auch in frischem Holz, das noch arbeitet, wären die Larven nicht sicher. Die meisten heimischen Nadelholzarten besitzen Harzgänge im Holz, die beim Bohren von Brutröhren beschädigt werden. Das hieraus austretende Harz verklebt die erwachsenen Bienen sowie die Larven. Dieses Holz ist demnach untauglich für Nisthilfen.

2. auf den richtigen Abstand zwischen den Brutröhren

Je größer die Bohrlöcher sind, umso größer muss der Abstand zwischen den einzelnen Löchern sein. Er sollte zwischen ein und zwei Zentimetern betragen. Wichtig: auch zwischen den Löchern dürfen keine Risse entstehen.

3. auf das saubere Bohren der Löcher

Bienen sind zarte Lebewesen und verletzen sich leicht an herausstehenden Holzfasern. Insbesondere die dünnen Flügel sind gefährdet. Achten Sie also bitte unbedingt darauf, dass die Bohrlöcher sowohl am Rand als auch im Inneren ganz glatt sind. Im Inneren erreicht man dies, indem man den Bohrer in dem Loch mehrmals hin und her bewegt, querstehende Holzfasern am Eingang lassen sich mit feinem Schmirgelpapier beseitigen. Denken Sie daran das Bohrmehl vor dem Aufhängen der Nisthilfe aus den Löchern herauszuklopfen.

Die Nisthilfe aus Stein als Alternative

Im Fachhandel erhält man neben Nistklötzen aus Hartholz speziell für diesen Zweck hergestellte Holzbeton- oder Terrakottasteine mit unterschiedlich breiten Bohrungen.

Hängt man diese neben einer Nisthilfe aus Holz auf, wird man in der Regel beobachten können, dass die Bienen dem hölzernen Angebot den Vorzug geben.

Nisthilfe aus Stein

Trotz südexponiertem Standort und Blütenreichtum in unmittelbarer Nachbarschaft sind nur wenige Brutröhren in dieser Nisthilfe aus Stein besetzt.

In käuflich zu erwerbenden Nisthilfen sieht man häufig Ziegel- oder Kalksteine mit großen runden oder länglichen Löchern, die so genannten Lochsteine. Bienen, die diese Löcher als Brutröhren annehmen, müssten um ein Mehrfaches größer sein als unsere heimischen Solitärbienen es sind. In dem Zustand sind die Steine ohne jeglichen Wert für die Tiere und machen geeigneten Nisthilfen den Platz streitig.

gleich doppelt wertlos – Risse im Holz und nutzlose Lochsteine

gleich doppelt wertlos – Risse im Holz und nutzlose Lochsteine

Besitzen Sie bereits eine derartige Nisthilfe, brauchen Sie sie jedoch nicht zu entsorgen. Stecken Sie in die Löcher einfach Hohlstängel, bis sie soweit gefüllt sind, dass die Stängel nicht heraus rutschen können. Geeignet sind Bambus, Schilf, Getreide oder diverse verblühte/ ausgesamte Stauden. Schneiden Sie die Stängel jeweils hinter den knotenartigen Verdickungen ab, so erhalten Sie automatisch hinten geschlossene Brutröhren. Der Innendurchmesser der Stängel sollte 3 – 8 Millimeter betragen. Die allermeisten Wildbienenarten meiden horizontal befestigte markgefüllte Stängel. Achten Sie also darauf, dass die von Ihnen gefertigten Röhren tatsächlich hohl und nicht markgefüllt sind. Notfalls entfernen Sie dieses vorsichtig. Beim Schneiden der Halme und Stängel ist zu beachten, dass das Material nicht bricht oder splittert – also möglichst scharfes Schneidewerkzeug verwenden, das nicht quetscht sondern wirklich schneidet. Auch diese Röhren müssen aufgrund der Verletzungsgefahr für die Bienen penibel sauber gearbeitet sein. Gekaufte Bambusstäbe und Schilfmatten lassen sich entsprechend herrichten. Wer keine Lochsteine hat, kann die Halme oder Stängel auch in Konservendosen stecken.

Achtung – Verletzungsgefahr für Bienen!

Achtung – Verletzungsgefahr für Bienen!

Im so gennannten Strangfalzziegel, einem traditionellen Dachziegel, verlaufen in Längsrichtung röhrenförmige Hohlräume, die eine geeignete Größe für mehrere Wildbienenarten besitzen, und lediglich an einem Ende mit Watte verschlossen werden müssen. Die Ziegel lassen sich waagerecht übereinander stapeln oder in Trockenmauern einbauen. Einziges Problem: Sie sind zumindest im norddeutschen Raum schwierig zu bekommen. Vielleicht kennen Sie jemanden zum Beispiel im süddeutschen Raum, der Ihnen diese Ziegel beschaffen kann.

Bei Nisthilfen mit Brutröhren in bestimmten Größen muss das Angebot erweitert werden, sobald Röhren bestimmter Durchmesser komplett belegt sind. Manche Bienenarten erscheinen erst im Laufe des Sommers – auch sie sollten noch Nistmöglichkeiten vorfinden. Machen Sie sich am besten schon vorher Gedanken über Erweiterungs- bzw. Ergänzungsmöglichkeiten.

Eine Lehmwand als Nisthilfe

Viele Wildbienenarten benötigen zur Anlage von Brutröhren sandigen oder lehmigen Untergrund, zum Beispiel in Sandgruben oder an Abbruchkanten. In unserem Garten, auf kleiner Fläche, können wir diese Lebensräume imitieren. Hierzu füllen wir geeignetes Material in feuchtem Zustand in ausreichend tiefe Holzkisten oder Pflanzsteine (Mindesttiefe =15 Zentimeter) und lassen es trocknen. Mit reinem Sand funktioniert dies natürlich nicht, aber mit reinem Lehm auch nicht. Am besten geeignet ist Boden mit einem hohen Lehmanteil. Das Material darf weder auseinanderfallen, noch darf es zu hart sein. Im trockenen Zustand muss es sich mit dem Fingernagel leicht abkratzen lassen, ansonsten ist es für Bienen zu hart und wird nicht angenommen. Sollte es nicht auf Anhieb klappen, probieren Sie eine andere Mischung. Wird bereits an mehreren Stellen vorgebohrt, lockt dies mitunter Wildbienen an. Diese Blöcke können für sich aufgestellt oder in größere Nisthilfen eingebaut werden.

Senkrecht aufgehängte Stängel als Nisthilfe

Während horizontal angebrachte Stängel in der Regel nicht angenommen werden wenn sie markgefüllt sind, funktioniert dies bei senkrecht angebrachten Stängeln manchmal recht gut. Binden sie Stängel beispielsweise von Brombeere, Himbeere, Königskerze oder Distel einfach an einem Zaun oder ähnlichen Strukturen fest.

Totholz als Nisthilfe

Ist in Ihrem Garten ein Baum abgestorben, lassen sie möglichst so viel von ihm stehen, dass er nicht umzufallen droht oder abbrechende Äste zur Gefahr werden können. Dieses stehende Totholz ist ein wichtiger Brut- und Lebensraum für viele Tiere, unter anderem für einige Wildbienenarten, die sich ihre Brutröhren entweder selber ins Holz beißen, oder verlassene Käfer-Brutröhren beziehen. Sie können auch Totholz zu einem Haufen zusammenlegen – auch hier werden sich Bienen einfinden. Ist das Holz allerdings bereits morsch, eignet es sich nicht mehr für die Anlage von Brutröhren.

Wo sollten Nisthilfen aufgestellt bzw. angebracht werden?

Wichtig ist, dass die Nisthilfe einen festen Platz erhält, an dem sie vor Wind und Regen geschützt ist und in Südost- bis Südwestausrichtung mehrere Stunden Sonne am Tag erhält. Gut geeignet sind eine Hauswand, eine Mauer oder ein Pfosten. Die Nisthilfe darf sich nicht im Wind bewegen. Ist kein Regenschutz, zum Beispiel durch ein Hausdach, gegeben, kann man sich mit einer kleinen selbstgebauten Abdeckung beispielsweise aus Blech behelfen. Die Nisthilfe wird auch im Winter nicht versetzt.

Und was ist darüber hinaus zu beachten?

– Verwenden Sie bitte niemals Brutröhren aus Glas, Plexiglas oder Kunststoff zu Beobachtungszwecken – sie wurden schon oft zur Todesfalle für Bienen. Da diese Materialien nicht luftdurchlässig sind, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Brut im Inneren verpilzt und abstirbt.

– Viele Wildbienenarten bevorzugen zwar saubere Brutröhren. Ein Säubern der benutzten Brutröhren mittels eines Bohrers ist im Winter aber kaum möglich, wenn sich in den Nachbarröhren noch Brut befindet. Diese Nisthilfen müssen unverändert überwintern können. Dann besser das Angebot an frischen Brutröhren erweitern.

– Sollten Meisen oder Spechte immer wieder Brutröhren Ihrer Nisthilfe aufhacken um an die Brut zu gelangen, können Sie die Nisthilfe mit einem Kunststoffnetz mit der Maschenweite 3 x 3 Zentimeter vor den Vögeln schützen. Da Vögel sich schnell in Netzen verfangen, sollte dieses auf jeden Fall blau (Wird von den Vögeln besser erkannt.) und nicht zu fein sein. Bringen Sie das Netz oder aber einen Maschendraht im Abstand von etwa 20 Zentimetern zur Nisthilfe an – die Bienen können das Hindernis problemlos passieren.

Auch nackter Boden kann eine Nisthilfe sein

Annähernd dreiviertel aller bei uns vorkommenden Bienenarten brütet im Boden – also rund 410 Arten. Diesen Arten können mit Nisthilfen aus Holz, Lehm oder Stein nichts anfangen. Stattdessen können wir sie fördern, indem wir eine geeignete Fläche dauerhaft frei von Bewuchs halten. Aufwachsende Pflanzen dürfen hier nur vorsichtig beseitigt werden, damit möglicherweise vorhandene Brutröhren nicht zerstört werden. Als Untergrund eignen sich Sand, lehmiger Sand, Kies oder mit Sand verfugte Steine bzw. Platten. Wer über ausreichend Zeit und Platz verfügt, kann unterschiedliche Angebote nebeneinander schaffen und unterhalten.

 


 

Literaturtipp

Paul Westrich

„Wildbienen: Die anderen Bienen“

Pfeil 2014

ISBN 978-3899371369

ca. 20 €

Ein herausragendes, umfangreiches Buch mit sehr vielen schönen Fotos und guten Anleitungen.

 

Michael Stocker, Sebastian Meyer

„Wildtiere – Hausfreunde und Störenfriede“

Haupt Verlag 2012

ISBN 987-3-258-07664-5

ca. 30 €

 

www.wildbienen.info

www.wildbienen.de

www.bund.net – auf der Seite des BUND finden Sie Broschüren zum Thema als Download oder zum Bestellen.

R. Theunert: 

Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Wildbienen mit Gesamtartenverzeichnis“

Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen des NLWKN, Heft 3/2002

2,50 € zu bestellen im NLWKN WebShop

ausgewählte Bezugsquellen für Saatgutmischungen:

www.blauetikett.de

www.rieger-hofmann.de

www.gaertnerei-strickler.de