BUND Schneverdingen auf der Suche nach dem Sonnentau

Interessierte Mitglieder und Gäste informieren sich über die Renaturierung des Pietzmoores

„Hier muss er irgendwo sein – der Sonnentau“, solche Ausrufe waren häufiger zu hören, als 23 interessierte Naturliebhaber*innen am 21.6.19 zu einer gut zweistündigen Infoveranstaltung durch das Pietzmoor aufbrachen.

BUND Führung durchs Pietzmoor - Foto Heike Brenken
BUND Führung durchs Pietzmoor – Foto Heike Brenken

Die BUND-Ortsgruppe Schneverdingen (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) hatte  Stefan Wormanns von der VNP Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide eingeladen, die Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor zu erklären, da es häufiger zu Nachfragen kommt, warum  dort so viele Bäume gefällt werden.

Das Pietzmoor ist ein einmaliger Naturschatz am östlichen Rand der Stadt Schneverdingen. Das Hochmoor ist über viele Jahrtausende langsam aus Torfmoosen gewachsen. In Zeiten des Mangels war der Torf aus dem Pietzmoor ein begehrter Brennstoff, der vielen Schneverdingern eine warme Stube beschert hat.

Entwässerungsgräben und Dämme für die Abfuhr hatten im 19. und 20. Jahrhundert das Moor stark zergliedert. Die Torfstecher hatten sich viele Meter tief in den Torfkörper gegraben. Das Torfstechen war eine Knochenarbeit. Ein Teilnehmer der Exkursionsgruppe konnte sich noch daran erinnern, wie er selbst als Schulkind noch in den 1960er Jahren Brenntorf im damals stark entwässerten Pietzmoor gestochen hatte.

Pietzmoor - Foto Heike Brenken
Pietzmoor – Foto Heike Brenken

Seit mehreren Jahrzehnten ruht nun die Abtorfung und die restlichen Moorflächen werden der Natur wieder zurückgegeben. Seit vielen Jahren laufen  unter Leitung des VNP umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor, die zum Ziel haben, den restlichen Torfkörper zu bewahren und, wo immer möglich, auch wieder Torfmoose zum Wachsen zu bringen.

Seit einigen Jahren profitiert der VNP von Fördergeldern des Landes Niedersachsens und der EU. Das aktuelle Projekt „Fortsetzung der Hochmoor-Renaturierungsmaßnahmen im Pietzmoor-Komplex“ wird aus dem Fördertopf „Spezieller Arten- und Biotopschutz – SAB“ bezuschusst.

Unter der sachkundigen Führung von VNP-Mitarbeiter Stefan Wormanns diskutierten die Teilnehmer*innen über die großflächigen Entkusselungsmaßnahmen in den Randbereichen des Moores. Wo anderswo aufgeforstet wird, um neue Wälder als Kohlenstoffspeicher zu nutzen, müssen in den Mooren die Bäume weichen. Ihre Verdunstung entzieht dem Moor zu viel Wasser und behindert so das Wachstum des Torfkörpers.

Herr Wormanns im Pietzmoor - Foto Heike Brenken
Herr Wormanns im Pietzmoor – Foto Heike Brenken

In lebhaften Diskussionen über das Für und Wider von Entkusselungen kam während der Info-Veranstaltung auch der Einfluss der Moor-Renaturierung auf das Klima und den Wasserhaushalt der Region sowie die Wirkungen auf das Landschaftsbild zur Sprache.

Sehr positiv haben sich die neuen Offenlandflächen auf den Bestand der Brutvögel im Pietzmoor ausgewirkt. So wusste Stefan Wormanns zu berichten, dass seit der Entnahme der vielen Bäume wieder Kiebitze und sogar der extrem seltene Große Brachvogel im Pietzmoor leben und brüten. Diese sogenannten Bodenbrüter benötigen ungestörte große baumfreie Flächen und feuchte Senken mit vielen Insekten. Bäume mögen sie dagegen in ihren Brutrevieren gar nicht, denn diese werden von Beutegreifern gern als Ansitz genutzt.

Besonders beeindruckend war für die Naturschützer eine große Fläche im zentralen Bereich des Pietzmoores, auf der erst vor kurzem der Wald entfernt worden war. Was von weitem wie eine trostlose Steppe aus Baumstümpfen aussah, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als Wiederbeginn des Hochmoor-Wachstums.

In den kleinen Senken zwischen den Baumstubben haben sich feuchte Löcher gebildet, in denen es inzwischen wieder lebendige, wachsende Torfmoose gibt. Und hier fand sich dann schließlich auch, was die Gäste lange gesucht hatten:

Der Sonnentau!

Sonnentau - Foto Heike Brenken